— 133 —
damit du lernest, wessen der Mensch fähig ist und wie erschrecklich Gottin seinen Gerichten predigt.
Wie es in deinem Hanse aussteht, weist du schon; 's ist alles nochim gestrigen Zustande, was die Plünderung nicht fortgerissen, liegt zer-streut, zertreten am Boden. Du tappst da herum und hast selbst nichtden Mut, etwas aufzuheben und zu sichern. Das Hau« ist auch nichtmehr dein; überall liegen die Verwundeten und schreien nach Rettung . . .Aber komm jetzt mit hinaus auf die Straße und schau das Dörflein anin seiner kläglichen Zerrüttung: kennst du's noch? Siehst du die vielenLöcher in den Dächern? Das haben die Kugeln und Granaten gethan . . .'s ist nur ein Wunder, daß ein Stein auf dem andern geblieben, dochGott fei Dank! auch die deutschen Geschosse sind bei weitem nicht allezerplatzt und haben nicht überall gezündet! Siehst du, wie die Fenster,die Läden, die Hofthore, die Kellerlhüren zerschossen sind, zerschlagen daherumliegen? Das hat der letzte Sturm, der Straßenkampf, die Wut derSoldaten angerichtet. — Du mußt acht geben . . ., sie reiten dich niederoder stampfen dich zu Boden . . du hörst ja, wie sie johlen: „All-deutschland nach Frankreich hinein." — Oder du stolperst über Leichname,Waffentrümmer, tote Pferde ... Es wird dir bange! Du mußt nichtweinen; komm mit ins Oberdorf . . . Schau, wie's allenthalben nochraucht und flackert ... Da haben die Bayern gehaust . . . Eins, zwei,drei Wohnhäuser . . . fünf Scheunen liegen in Schutt und Asche. Undwo sind die Heimatlosen? Da stehen sie vor den Ruinen ihrer Habeund heulen, daß sich die Steine darob erbarmen möchten: „Ach Gott!wohin? wo aus? wo ein?" Nicht wahr, das ist herzzerreißend?
Aber laß uns eilen; 's ist Sonntag heute. Da stehen die ausge-brannten Kirchenmanern; schau hinein in die glühende Feuermasse . . .sprich ein „Kyrie eleison“ und komm mit ins Unterdorf. Da ist die Ver-heerung noch viel größer. Kein ganzes Fenster, fast keine Ziegel mehrauf den Dächern, das Schulhaus in Bresche geschossen, die Schilderaus den Scheunen und Gehöftemanern gebrochen, zwei Wohnhäuser voll-ständig niedergebrannt, eine ganze Reihe von Häusern ein Raub der Flam-men, die untersten Häuser jämmerlich durchlöchert, das Vieh in den Stal-lungen getötet, die Friedhosinauer, die Grabsteine in Trümmern ....'s ist eine staunenswerte Gottesgnade, daß nicht alles in Grund und Bodenversunken. Und Elsaßhausen dort drüben! Du siehst die rauchendenSchntthanfen? Was meinst, daß noch von dem anmntigen Dörflein steht?
Es wird dir >veh ums Herz . . . Sei ruhig und laß deine Seelenicht in Jammer zerfließen; du mußt mit uns kommen. Schau, das warvorgestern dein Garten; da standen deine Blumen, die du mit Liebe ge-pflegt, dein Gemüse und deine Pflanzen, deren du in Hoffnung dich freutest.Nun ist alles dahin! zerrissen, zertreten, vernichtet! Da hinter der Garten-mauer hatten sich noch auf dem Rückzug die Turkos verschanzt — du hastsie ja gegen fünf Uhr noch brüllen hören wie wilde Tiere in der Wüste.Gib acht! Da liegt einer, das Hirn aus dem Kopse geschossen, — nachJahre» siehst du noch die dunklen Blutspuren an der Wand; — dortunter dem Apfelbaum liegt noch einer, das Angesicht schrecklich verzerrt,den Mund voll Erde, die Hand krampfhaft auf die Brust gedrückt, wodie tödliche Kugel ihn getroffen! Du bebst zurück? Da komm herüber