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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / von Wilhelm Oechsli
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Manche germanische Edle befreundeten sich in der Tat mitdem römischen Wesen. So auch dem Anschein nach A r m i n,ein junger Adliger vom Stamme der Cherusker, die ander Weser ihre Sitze hatten. Von schneller Auffassungsgabe,voll feurigen Mutes, der ihm aus Antlitz und Augen leuchtete,hatte der junge Germane ganz das Vertrauen des Varus ge-wonnen und war sein steter Begleiter und oft sein Tisch-genösse. Aber Armins Freundschaft mit den Römern wareitel Verstellung. Im Grunde seines Herzens kannte er keinenhöhern Ehrgeiz, als den, sein Volk von dem Fremdjoch zubefreien. Er stiftete insgeheim eine Verschwörung unter denCheruskern und anderen Deutschen. Nach Verabredungempörten sich zunächst einige entfernter gelegene Stämme.

Varus brach mit seinem Heere auf, um die Aufständischenzu züchtigen. Armin blieb zurück, um ihm, wie er sagte,Hilfstruppen zuzuführen. Der Marsch führte die Römer durchein schluchtenreiches, pfadloses Waldgebirge, den Teuto-burgerwald, westlich von der Weser. Schauerlich heultendie Herbststürme, der Regen fiel in Strömen, und mühsamarbeiteten sich die Soldaten durch das Dickicht vorwärts.

Plötzlich zeigten sich Haufen bewaffneter Germanen auf allenSeiten und brachen mit wildem Schlachtruf auf die Über-raschten ein. Auch den Armin sahen die Römer wieder,aber nicht als Freund und Helfer, sondern als Feind undrastlosen Verfolger. Drei Tage lang suchten sich die Über-fallenen dem Verderben zu entziehen, aber in dem sumpfigenürwald wurde ihre Kriegskunst zuschanden. Verzweiflungs-voll stürzte sich Varus in sein Schwert und die höchstenOffiziere folgten seinem Beispiel. Durch den Tod der Führerwurde die Mannschaft vollends entmutigt und ließ sich wehr-los von den wilden Feinden abschlachten. 30,000 der bestenSoldaten fanden im Teutoburgerwald den Untergang, und 9 n. Chr.jede Spur von römischer Herrschaft verschwand ostwärtsvom Rheine. Als die Trauerkunde nach der Hauptstadtkam, zerriß der greise Augustus sein Gewand, und oft hörteman ihn klagend ausrufen: „Varus, gib mir meine Legionen