145
Deutschland eine Erbmonarchie geworden sein, gerade wieFrankreich. Dasselbe starb jedoch, nachdem es dem Reichenoch drei Kaiser gegeben und im ganzen 105 Jahre regiert 919—1024hatte, aus, und die deutschen Großen wurden dadurch anihr Recht erinnert, den Herrscher zu wählen. In der Rhein-ebene zwischen Mainz und Worms unter freiem Himmel ver-sammelt, erhoben sie einen vornehmen Franken, K o n r a d II. 1024auf den Thron. Der neue König,*) ein energischer Mann,hielt mit eiserner Hand im Reiche Ordnung. „An KonradsSattel hängen die Bügel Karls des Großen“, wurde einSprichwort. Er erweiterte das Reich um ein großes undschönes Gebiet, indem er das Königreich Burgund im Rhone- 1033tal mit Städten, wie Genf, Lyon und Marseille, halb durchErbschaft, halb durch Eroberung an sich brachte. Den Gipfelder Macht erstieg das römisch-deutsche Kaisertum unterKonrads II. Sohn und Nachfolger, Heinrich III., einemausgezeichneten Herrscher, der im Begriffe stand, es zueiner wirklichen Weltherrschaft zu erheben. Die Fürstenvon Ungarn und Polen anerkannten in ihm ihren Oberherrn.
Und als sich in Rom drei Päpste in wildem Parteikampfum die Gewalt stritten, da schritt der Kaiser unter demBeifall der ganzen Christenheit gegen sie ein. Durch eineKirchenversammlung ließ er alle drei entsetzen, einen wackern 1046deutschen Bischof an ihre Stelle wählen und sich zugleichvon den Römern das Recht übertragen, künftig selber denPapst zu ernennen. Infolgedessen erhob Kaiser Heinrichnoch dreimal deutsche Bischöfe auf den römischen Stuhl.
So schien der Papst völlig vom Kaiser abhängig und dieserHerr der Kirche wie des Staates zu sein. Aber mitten indiesem Glanze raffte eine Krankheit den gewaltigen Herrscher 1056hinweg, ehe er das 39. Altersjahr erreicht hatte.
§ 28. Kampf zwischen Kaiser und Papst.
1. Heinrichs IV. Jugend. — Wie in einer Erbmonar-chie ging die Krone aufHeinrichs III. gleichnamigen Sohn, H e i n-
*) Den Kaisertitel führte der deutsche König im Mittelalter erst,nachdem er in Rom vom Papste gekrönt worden war.
Oechsli, Allgemeine Geschichte. 10 ,