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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / von Wilhelm Oechsli
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der in Jerusalem die Kirche des heiligen Grabes gestiftet hatte,pilgerten stets zahlreiche Christen nach der Stätte, wo derHeiland gelebt und gelitten hatte. Diese Wallfahrer hattenunter der Feindseligkeit der mohammedanischen Herren desgelobten Landes oft schwer zu leiden. Am schlimmsten wurdees, seit Scharen von rohen Türken aus der Umgegend desAralsees in das sinkende Reich der arabischen Chalifen her-einströmten und die Herrschaft in demselben an sich rissen.Das Abendland widerhallte von den Klagen der Pilger überdie Mißhandlungen, denen sie im heiligen Lande ausgesetztwaren. Zugleich wandte sich der griechische Kaiser in Kon-stantinopel an Papst Urban II. um Hilfe gegen die Türken,die ihn schwer bedrängten. Da berief der Papst im Jahr 1095eine Versammlung von Geistlichen und Laien nach der Stadt1095 Clermont in Frankreich. Hier schilderte er unter freiemHimmel vor einer zahllosen Menge in ergreifenden Wortendie Schmach, daß das Grab des Heilandes in der Hand derUngläubigen sei, die bittern Leiden der Pilger, die Gefahren,die der ganzen Christenheit von den Türken drohten, undforderte auf zum heiligen Kriege. Denen, die dazu auszögen,verhieß er Vergebung der Sünden und ewigen Lohn. Kaumhatte er geendet, so erscholl es, wie aus einem Munde:„Gott will es, Gott will es!“ Tausende drängten sich herzuund empfingen das Abzeichen der Gottesstreiter, ein rotesKreuz, auf die rechte Schulter geheftet, wovon diese Unter-nehmungen den Namen Kreuzzüge erhalten haben.

5. Eroberung Jerusalems (1099). — Eine fieber-hafte Begeisterung^, eine unnennbare Sehnsucht nach demMorgenlande ergriff alle Stände des Abendlandes, namentlichin Frankreich. Fürsten und Ritter rüsteten mit Eifer.Aber auch das niedere Volk verließ seine Hütten und ver-langte nach dem heiligen Kampfe. Große Scharen sammeltensich um einen Einsiedler Peter von Amiens, der auf einemEsel durch die Lande ritt und überall durch seine schwär-merische Predigt die Massen hinriß. Er führte sie donau-abwärts und gelangte bis nach Kleinasien, wo die ungeord-