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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für höhere Schulen und zum Selbstunterricht / von Wilhelm Oechsli. Bd. 1 / Urzeit und Altertum
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nachbarn Babyloniens immer und immer wieder Raubzüge in diesLand unternommen hatten. Anlaß zum Einschreiten bot eine weit-verzweigte Verschwörung, woran Assurbanipals Bruder, den er alsStatthalter in Babylon eingesetzt hatte, teilnahm. Das rasche und rück-sichtslose Zugreifen hatte Erfolg: der ungetreue Bruder wurde ver-brannt, die übrigen Rädelsführer verstümmelt und Elam einige Jahrenachher in eine Wüste verwandelt. Fortan regierte Asfurbanipal an-scheinend im Frieden, und in dieser Zeit vor allem wird er sich nebenhäufigen Jagden und reger Bautätigkeit seinen literarischen Lieb-habereien gewidmet haben; denn er hatte Sinn für Wissenschaft undKunst und ließ in seinem Palast eine wissenschaftlich geordnete Bi-bliothek die erste, die es je gegeben hat einrichten. Ihr Haupt-teil, über 22000 Tontafeln, welche das ganze damalige Wissen um-spannen und einen der kostbarsten Schätze darstellen, die dem Bodenschon enthoben worden sind, liegt heute zu London im britischen Muse-um. Gelehrte fast aller modernen Kulturstaaten arbeiten bis zur Stundean deren Entzifferung.

Den jähen Zusammenbruch der assyrischen Weltmacht erlebteAsfurbanipal wohl noch selbst. Durch die Vernichtung Elams warnämlich Assyrien in unmittelbare Berührung mit den Medern ge-kommen, einem jener indogermanischen Schwärme, die von Nordenund Osten her drängten. Das ward zum Verhängnis. Ganz im Süden,im Mündungsgebiete des Doppelstromes, lauerten die Chaldäer, diejahrhundertelangen Nebenbuhler Assyriens um den Besitz Babyloniens.Beide Stämme, die Meder unter der Führung des Kyaxares, dieChaldäer unter Nabopolassar, schloffen sich zusammen und versetztendem aus Blut und Eisen gegründeten Reiche, das zudem noch durcheinen Masseneinfall skythischer Nordvölker tief erschüttert war, denTodesstoß. Ninive fiel 612, und die Assyrer hatten ihre Rolle in derWeltgeschichte endgültig ausgespielt.

4. Das chaldäische oder neu babylonische Reich(um 600). Aus den Trümmern Assyriens erwuchsen zwei neuemächtige Reiche, das medische im Norden, das chaldäische im Süden.Diesem letzten verlieh ein großer König in mehr als vierzigjährigerRegierung gewaltigen Glanz, Nebukadnezar, der Sohn Nabopo-lassars. Zweimal kriegte er gegen Juda, das ihm der König vonÄgypten streitig zu machen drohte, und weil sich die Juden nicht fügenwollten, wurde 586 Jerusalem zerstört und ein Teil der Bevölkerung