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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für höhere Schulen und zum Selbstunterricht / von Wilhelm Oechsli. Bd. 1 / Urzeit und Altertum
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überstrahlte bald Alexandrien, der eigentliche Brennpunkt der da-maligen Welt^. DiePtolemäer,die dvrt residierten, legten eine staunens-werte kaufmännische Begabung an den Tag und sammelten gewaltigeSchätze, indem sie die wichtigsten Industrien ihres reichen Landes aufeigene Rechnung betrieben und namentlich die Landwirtschaft zielbewußtförderten. Da die Geschäftsverbindungen der hellenistischen Mvnarchienbis nach Indien und Arabien reichten und schließlich auch Rom undKarthago im Westen umfaßten, kann man von einem wirklichen Welt-handel sprechen. Das griechische Mutterland geriet zwar dabei immermehr ins Hintertreffen und fiel durch Auswanderung und andere un-gesunde Erscheinungen langsamer Entvölkerung und Verödung anheim.

Mit den griechisch-makedonischen Soldaten, Beamten und Kauf-leuten drang hellenische Bildung unter die entlegensten Himmelsstricheund blieb allerorts siegreich. Hieraus erwuchs eine gleichförmige Welt-kultur, die sich freilich bei der vielfachen Berührung mit Fremdennicht rein griechisch erhalten konnte und darum im Gegensatze zumklassischen" Hellenentum hellenistisch heißt. Am deutlichsten zeigtsich diese Vereinheitlichung der Kultur darin, daß das Attische zurGemeinsprache wurde, die man am Nil ebensogut wie am Jordanund Tigris redete und verstand. Ein ähnlicher Ausgleich vollzog sichin den Rechtsanschauungen. Immer mehr kam der Begriff des Welt-bürgertums und der Verbrüderung aller Menschen über die natio-nalen Schranken hinweg auf. Statt Hellenen und Barbaren wolltendie Philosophen nur noch Gute und Schlechte unterscheiden. Daß beidiesem Vorgang alle andern mehr gewannen als die Griechen, ist klar.Am gründlichsten war die Durchdringung naturgemäß in den Städten.Wie weit sie aber da und dort auch auf dem Lande ging, beweisen fürÄgypten viele Tausende von griechischen Papyrusurkunden, die,zum Teil in den abgelegensten Dörfern, infolge des trockenen Klimasden Jahrhunderten getrotzt haben und uns heute in alle Einzelheitendes damaligen Lebens einen umfassenderen Einblick gewähren, als erfür die meisten Epochen der Vergangenheit möglich ist. In einemPunkte hob sich der Grieche nach wie vor vvm Orientalen deutlich ab,in der turnerischen Ausbildung des Körpers. Erst das beginnendechristliche Mönchstum, welches die Vernachlässigung dessündhaftenLeibes" zur Großtat stempelte, bereitete dann auch im Abendlande denIdealen des Gymnasions ein Ende.

r Quellenbuch Fl. u. G. I, No. 4g: Die Stadt Alerandria (nach Strabo).