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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für höhere Schulen und zum Selbstunterricht / von Wilhelm Oechsli. Bd. 1 / Urzeit und Altertum
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genaueren Einblick in den Bau des menschlichen Körpers ermöglichte.Die Philologie ist ebenfalls in Alexandria zu voller Ausbildunggekommen; denn da unter den Bücherschätzen ost ein und dasselbe Werkin mehreren nicht genau übereinstimmenden Abschriften vorlag, bemühtensich die Bibliothekare, durch Begleichung den maßgebenden Text heraus-zuarbeiten. Im Wettbewerb mit Alexandrien traten später auch Per-gamon und Rhodos als Pflegestätten der Wissenschaft stark hervor.

Das Schrifttum der hellenistischen Zeit war sehr umfangreich.Unter den Prosawerken nahmen wie heute die Biographien undMemoiren berühmter Männer einen besonders breiten Raum ein.Bezeichnend für den allseitigen Einfluß hellenischen Geistes und dieunbedingte Vorherrschaft der griechischen Sprache ist es, daß sowohl inÄgypten als in Babylon eingeborne Priester die Archive zu durch-stöbern anfingen und die Geschichte ihrer Heimat griechisch abfaßten;sogar die selbstbewußten Römer, die sonst zäh an ihrer Muttersprachefesthielten, mußten erleben, wie ein Landsmann die erste Darstellungihrer Vergangenheit griechisch veröffentlichte. Leider sind uns von alldiesen Erzeugnissen nur spärliche Reste erhalten, weil in den erstenJahrhunderten unserer Zeitrechnung, als der BegriffKlassisch" geprägtwurde, alles Nachklassische als minderwertig aus der Mode kam undlangsam verloren ging. Etwas mehr besitzen wir von der Poesie, diegleichfalls in gewaltiger Menge gedieh und zu einem kleinen Teil aufägyptischen Papyrusfetzen wieder zum Vorschein gekommen ist. Merk-würdig berührt an der alexandrinischen Poesie die Verbrämung mitGelehrsamkeit, die sie jedenfalls nur engen Zirkeln genießbar machte.Zu den wahren Dichtern zählen auch nach unseren Begriffen Kallt-machos, der Syrakusaner Theokrit mit seinen hübschen Schäferstückenund Menander, der Meister des bürgerlichen Lustspieles.

Für die bildenden Künste bot der Hellenismus mit seiner un-heimlichen Bautätigkeit ein ausgedehntes Arbeitsfeld. Wie man damalseine Stadt anlegte, zeigen am besten die neuerdings ausgegrabenenRuinen von Prisne (nördlich von Milet) mit ihren schnurgeradenLinien und rechten Winkeln. Die Masse des Statuenschmuckes grenzteans Geschmacklose, obwohl unter dem Allzuvielen auch jetzt noch her-vorragende Stücke gelangen und das Charakterporträt überhaupt erstdie Vollendung erreichte (Standbild des Demofthenes, Kops des Euri-pides). Großes leistete Pergamon: sein mächtiger, prachtvoll verzierterZeusaltar, dessen Reste Staunen erregen, gehört zu den imposantesten