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Lesebuch zur Weltpolitik : für die Oberklassen höherer Lehranstalten aller Art / zusammengest. und mit Anm. hrsg. von Hans Mähl
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12 I.AuswärtigePolitik Deutschlands imZeitalterBismarcks

die wir im Felde bekämpft hatten, der Versuchung zuentziehen, die in der Aussicht lag, im Bunde mit an-deren Revanche nehmen zu können. Daß Frankreichdas nicht sein konnte, lag für jeden Kenner der Ge-schichte und der gallischen Nationalität aus der Hand,und ivenn ein geheimer Vertrag von Reichstadt ohneunsere Zustimmung und unser Wissen möglich war, sowar auch die alte Kaunitzsche Koalition von Frankreich,Österreich, Rußland nicht unmöglich, sobald die ihr ent-sprechenden, in Österreich latent vorhandenen Elementedort an daS Ruder kamen. Sie konnten Anknüpfungs-punkte finden, von denen aus sich die alte Rivalität,das alte Streben nach deutscher Hegemonie als Faktorder österreichischen Politik wieder beleben ließ in An-lehnung, sei es an Frankreich, die zur Zeit des GrafenBeust und der Salzburger Begegnung mit LouisNapoleon, August 1867, in der Luft schwebte, sei es inAnnäherung an Rußland, wie sie sich in dem geheimenAbkommen von Reichstadt erkennen ließ.

Die Frage, welche Unterstützung Deutschland vonEngland in einem solchen Falle zu erwarten habenwürde, will ich nicht ohne weiteres im Rückblick ausdie Geschichte des Siebenjährigen Krieges und des WienerKongresses beantworten, es aber doch als wahrscheinlichbezeichnen, daß ohne die Siege Friedrichs des Großendie Sache des Königs von Preußen damals noch frühervon England wäre fallen gelassen worden.

In dieser Situation lag die Aufforderung zu deinVersuch, die Möglichkeit der antideutschen Koalitiondurch vertragsmäßige Sicherstellung der Beziehungenzu wenigstens einer der Großmächte einzuschränken.Die Wahl konnte nur zwischen Österreich und Rußland