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Illustrirtes Lehrbuch der Welt- und Schweizergeschichte für Sekundar-, Real- und Bezirksschulen, sowie für die obere Stufe der allgemeinen Volksschule / von Ulrich Ernst
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nebst dem Ratsherrn Schindler von Mollis an die Spitze desUnternehmens. Diesem widmete Escher all' seine Zeit, seine ganze Arbeit,seine reichen Kenntnisse und einen ansehnlichen Teil seines Vermögens.Er arbeitete die Zeichnungen, Pläne und Berechnungen aus, steckte dieKanäle ab, verdingte und beaufsichtigte die Arbeiten und war überallzugegen. Seine Hingebung war unermüdlich; weder Regen noch Kälte,weder Unfälle noch körperliche Leiden konnten ihn abhalten. Selbst diehohe, amtliche Stellung, die er seit 1815 als Mitglied der zürcherischenRegierung wieder einnahm, trat hinter seinem großen Werke der Wohl-tätigkeit zurück. Wie oft legte er den Weg von Zürich nach Weesen zuFuß zurück! Oft nahm er selber Schaufel und Hacke in die Hand, wennes nicht gehen wollte.Herr Präsident," sagte einst ein Arbeiter zu ihm,warum bleibt Ihr doch in allem Wetter draußen? Wenn ich so einHerr wäre wie Ihr, ich ließe es mir daheim wohl sein."Eben darum,erwiderte Escher, hat Euch der liebe Herrgott kein Geld gegeben, weilIhr, wenn Ihr reich wäret, nicht mehr arbeiten würdet." Einem andernArbeiter, der ihn auf seine Einsprache, daß der Kanal in betrügerischerWeise nicht tief genug ausgegraben werde, beschwatzen wollte, sagte Escherruhig:Mit Schwatzen geht Euch das Wasser nicht vom Hals; wennIhr euere Häuser trocken haben wollt, so müßt Ihr tief graben, nichtschwatzen." Im übrigen verkehrte er sehr freundlich mit den Arbeitern,deren Zahl manchmal auf 600 stieg. Er belehrte sie, besserte ihren Lohnauf, wenn sie zu wenig verdienten und unterstützte sie in Krankheit undRot: kein Wunder, daß sie ihn wie ihren Vater verehrten.

7. Escher hatte die Freude, schon nach vier Jahren den erstenTeil des Linthwerkes, den Molliserkanal unter dem Jubel der Be-völkerung eröffnen zu können. Von 18161822 wurde auch der zweiteTeil, der Linthkanal. zwischen Walensee und Zürichsee vollendet.So hatte endlich der Mensch über die Natur gesiegt. Kein Feldherrkonnte auf seinen Triumphzug stolzer sein, als Escher auf sein Linth-werk. Eine Million alte Franken hatte die Anlage der beiden Kanälegekostet, von denen der erste eine Stunde, der zweite vier Stunden langist. Dafür waren 28,000 Jucharten fruchtbaren Lanves gewonnen, undglückliche Menschen segneten den Mann, dem sie ihren Wohlstand undihre Gesundheit verdankten. In jedem Hause sah man sein Bild, amEhrenplätze aufgehängt, wie dasjenige eines Heiligen.

8. Sein Ende. (1823.) Escher aber hatte in der langjährigen,anstrengenden und ungesunden Arbeit die Kraft seines starken Körperseingebüßt. Schon 1823 sank er, erst 55 Jahre alt, ins Grab. Diezürcherische Regierung beschloß, es seien alle männlichen Nachkommendes Staatsrates Hans Konrad Escher ermächtigt, sich Escher von derLinth zu nennen. Sein einziger Sohn, Arnold Escher, war einberühmter Professor der Geologie am eidgenössischen Polytechnikum.Nach dessen Tod (1872) erlosch die Familie Escher von der Linth, nichtaber das Andenken des Mannes, der sich und ihr den ruhmvollenNamen erworben.

1811.

18161822

1823.