schwören oder auszuwandern. Einige Familienvater kehrten zum altenGlauben zurück, die andern sechzig Familien aber wollten lieber hei-matlos werden, als ihrem Gewissen Zwang antun. Es waren meistensKrämer und Handwerker, aber auch Männer von gelehrter Bildung.Bei strenger Winterkälte luden sie einige Habseligkeiten aus Maultiereund reisten in einigen Tagen über Bellenz in das bündnerische Rove-redo im Misox. Drei Kranke starben unterwegs. In Koveredo wartetensie die Schneeschmelze ab und marschierten anfangs Mai über denBernhardin nach Thür und weiter nach Zürich.
Dbschon es dort von fremden Religionsflüchtigen wimmelte, eilte dieBürgerschaft der Stadt an die Schisflände, um die vertriebenen zuempfangen. Die Bedürftigen erhielten von gutherzigen Zürchern Gb-dach und Verpflegung im eigenen Haushalt. Die Locarner brachten dieSeidenindustrie in Zürich wieder zu schöner Blüte, und einige unterihnen, wie die Muralt und die Drelli, gelangten später zu Wohlstandund hohem Ansehen.
Zürg Jenatsch
Ein gütiges Geschick bewahrte die Schweiz vor den verheerendenWirren des dreißigjährigen Krieges. Nur dem Land der drei Bündeward es beschieden, alle Leiden des schrecklichen Krieges bis aus diehesezukosten. InMailand gebot damals Spanien, inTirol undvorarlbergÖsterreich. Bünden lag also gleichsam mitten zwischen den beiden Habsbur-gischen Mächten. Durch das jbündnerische veltlin und durch das Lngadinführten die kürzesten Straßen, welche die beiden Länder verbanden.
Nun hatte die Reformation auch das Bündnervolk in zwei Lager ge-spalten. Die Katholischen hielten zu Ästerreich-Spanien, die Refor-mierten zu der französisch-venezianischen Partei. Fremde Agenten be-arbeiteten mit Geld und guten Worten die Räte in den verschiedenenGemeinden so lange, bis zu Anfang des siebzehnten Jahrhunderts dasLand einer völligen Anarchie anheimfiel, die das Gefühl der Zu-sammengehörigkeit restlos erstickte. Als der dreißigjährige Krieg aus-brach, befand sich Graubünden im Zustand einer jammervollen Hilf-losigkeit und Zwietracht.
Im veltlin, wo meist frühere Zöglinge der helvetischen Schule vonMailand die katholische Seelsorge ausübten, verband sich mit dem haßgegen die Evangelischen die Todfeindschaft gegen die bündnerischen
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