Buch 
Die Geschichte der Schweiz : der Jugend erzählt / von Johannes Jegerlehner ; Illustriert von Paul Kammüller
Entstehung
Seite
238
JPEG-Download
 

die Behauptung der Unabhängigkeit der Schweiz nach außen und Hand-habung der Buhe und Ordnung im Innern, sondern auch Schutz derFreiheiten und Rechte der Sandesbürger und Förderung ihrer gemein-samen Wohlfahrt.

Deshalb unterstützt er alle öffentlichen Werke, die über die Kraftund das finanzielle vermögen der Kantone hinausgehen. Der Bundhat allein die Gewalt, Krieg und Frieden, Bündnisse und Staats-verträge, namentlich Zoll- und Handelsverträge, mit dem Ausland ab-zuschließen, Landeszölle zu erheben, Münzen zu prägen, Pulver her-zustellen und Maß und Gewicht zu bestimmen. Den Kantonen bleibenSchule und Kirche, Armenpflege und ein Teil des Militärwesens. DerBund schützt die Rechte des Schweizervolkes, die freie Niederlassung,Handel- und Gewerbefreiheit und die Glaubensübung. Austreibungenvon Andersgläubigen wie seinerzeit in Locarno und in Arth wärenheute ein Ding der Unmöglichkeit.

In den Gerichtssälen gilt nur ein Recht, denn alle Bürger sind gleichvor dem Gesetz. Für dasselbe vergehen wird dem armen Teufel wie demreichen Halbgott das gleiche Maß von Strafe zugemessen.

Seine Ausgaben bestreitet der Bund aus dem Ertrag der Zölle, derPost und der Pulververwaltung.

Unter Kanonendonner und Glockengeläute trat im herbst 1848 dieschweizerische Bundesversammlung in Bern zum erstenmal zusammen.Die Zähringerstadt hatte sich in den schönsten Schmuck geworfen. Diebeiden hohen Behörden marschierten vom Rathaus durch die festlichbekränzten Straßen nach ihren Sitzungslokalen. Der Ständerat bezogan der Zeughausgasse den ehemaligen Saal der Tagsatzung, mit derihn eine äußerliche Ähnlichkeit verband, und der Nationalrat begabsich in den hübsch verzierten Saal des Kasinos. Abens schwamm dieStadt im Glanz der Lichter. Auf der Zinne des Münsterturms erstrahlteein prachtvolles Flammenkreuz.

Der Alterspräsident eröffnete die Sitzung des Nationalrates mitfolgenden Worten:Wenn irgend etwas in meinem Leben geeignetwar, mir herz und Geist zu erheben, so ist es der gegenwärtige Moment,beim Anblick dieser hohen Versammlung, die zu präsidieren ich die Ehrehabe. Ja, seien Sie mir aus tiefbewegter Brust als schweizerischeNationalräte gegrüßt gegrüßt als Volksmänner, die durch Namen,durch Gesinnung, durch Kenntnisse, durch vaterländische Wirksamkeit,durch unmittelbare Wahl von feiten des Volkes, durch die Be-

238