Buch 
Geschichtslehrmittel für Sekundarschulen / im Auftrage der Sekundarlehrerkonferenz des Kantons Zürich bearbeitet von R. Wirz ; in Verbindung mit H. Gubler ... [et al.]
Entstehung
Seite
38
JPEG-Download
 

38

Die höchste Gewalt besaß die Volksversammlung, d. h. die Ge-samtheit aller freien, waffenfähigen Männer; sie entschied überKrieg und Frieden, schloß Bündnisse, schlichtete Streitigkeiten derHundertschaften, nahm die wehrhaft gewordenen Jünglinge in dasHeer auf und wählte die Häuptlinge und den Herzog (Oberan-führer) oder König. Diese Führer des Volkes hielten sich ein Ge-folge von jungen freien Männern, denen sie Unterhalt, Kleidung,Wohnung, Waffen und Beute verschafften; dafür gelobten ihnendie Gefolgsleute durch einen feierlichen Eid unverbrüchliche Treuein Kampf und Gefahr.

Lebensweise. Die Hauptbeschäftigung der freien Germanenwaren Krieg und Jagd. Immer waren die Jungen bereit zum Raub-zuge in fremdes Land, oder sie traten in römische Söldnerdienste.Den Kampf begrüßten die halbnackten Krieger mit wildem Ge-schrei, das sie in der Wölbung des Schildes widerhallen ließen,um die Feinde zu schrecken. Es galt als die ärgste Schmach, denSchild auf feiger Flucht wegzuwerfen. In ruhigen Zeiten fröntendie Männer dem Trunk und Würfelspiel, dem sie leidenschaftlich er-geben waren, so daß sie oft nicht nur Hab und Gut, sondern auch dieFreiheit einsetzten. Große Rinder-, Schaf- und Schweineherden bil-deten den Reichtum der Germanen. Neben der Viehzucht trieben sieauch Ackerbau. Die Hundertschaft, später die Sippe, besaß ein StückLand, das sie gemeinsam bearbeitete. Da man die Herden frei wei-den ließ, brauchte jede Völkerschaft zu ihrer Erhaltung einen vielgrößeren Landstrich, als es heute nötig wäre. Die Germanen be-fanden sich daher in beständiger Landnot, die manche Völker-schaft aus ihrer Heimat trieb.

Die Religion. In dem unwirtlichen Lande und bei ihrendürftigen Einrichtungen waren die Germanen den Einflüssen desWetters und den Naturgewalten fast machtlos preisgegeben. Siefühlten, wie diese Naturgewalten Gutes und Böses schufen, bald Freudespendeten, bald Schrecken einjagten; sie hielten sie daher für über-mächtige Wesen, die ihr Leben und Schicksal bestimmten. Sie ver-ehrten diese Naturkräfte als Götter, denen man in heiligenHainen Altäre errichtete und Opfer darbrachte. Der regenspendendeHimmel, unter dem die Wolken im Sturm dahinfahren, erschien ihnenals Gott Wodan, die wetterleuchtende Wolke als Donar, der, seinenmächtigen Hammer werfend, den Donner hervorruft, Ziu hieß derKriegsgott, Freya war die Göttin des Friedens und des Hauses.