Buch 
Geschichtslehrmittel für Sekundarschulen / im Auftrage der Sekundarlehrerkonferenz des Kantons Zürich bearbeitet von R. Wirz ; in Verbindung mit H. Gubler ... [et al.]
Entstehung
Seite
40
JPEG-Download
 

40

Der Hunnensturm. Da erschien von Asien her das wilde Rei-tervolk der Hunnen, das in unwiderstehlichem Ansturm die Ostgotenunterwarf und, die Westgoten ins Römerreich abdrängend, sich inderen Wohnsitzen niederließ. Die Westgoten schlugen sich durchdie Balkanhalbinsel, drangen unter ihrem König Alarich sogar inItalien ein und eroberten Rom (410), das seit Hannibals Zeitenkeinen Feind mehr vor seinen Toren gesehen hatte. Nach desKönigs frühem Tode setzten sie sich in Südgallien und Spanien fest.

Unterdes bildeten die Hunnen eine furchtbare barbarische Macht.Von seiner Königsburg an der Theiß aus gebot der gewaltigeAttila, die Gottesgeißel genannt, über zahlreiche unterworfene ger-manische und slavische Völker. Mit einer halben Million Kriegerbrach er in Gallien ein, wurde aber von den vereinigten Römernund Westgoten, die unter dem letzten großen weströmischen Feld-herrn Aetius fochten, geschlagen (451). Nach Attilas frühem Todezerfiel das Reich der Hunnen noch rascher, als es entstanden.

3. Die Gründung germanischer Reiche. Die aufgescheuchtenGermanen drangen von allen Seiten ins römische Reich. Die Van-dalen durchrasten Süddeutschland, Gallien, Spanien und setzten so-gar nach Afrika über, wo sie im Gebiet des alten Karthago ein Reichgründeten, von dem aus sie Rom eroberten und furchtbar plünderten(aber nicht zerstörten). In Italien ließen sich die Ostgoten unterihrem Könige Theuderich nieder, in Belgien und Nordgallien dieFranken, in Britannien die Angeln und Sachsen. Auf dem Bodender Schweiz erschienen drei Völker:

a) Die Burgunder. Der Hunneneinbruch trieb sie aus ihrerHeimat zwischen Oder und Weichsel. Sie zogen in die Rhein- undMaingegend, wo sie (um Worms) ein Reich gründeten. Römer undHunnen zertrümmerten es, und Aetius siedelte die Reste des Volkesin der Rhonegegend (auch in der Westschweiz) an. Jeder römischeGrundbesitzer wurde gezwungen, ein Drittel bis zwei Drittel vonseinem Hof, Garten und Ackerland an den Germanen abzutreten, derihm mit Weib und Kind und Sklaven als Nachbar angewiesen wurde.Eine Vermischung von Römern und Germanen konnte so nicht aus-bleiben. Da die römische Kultur der burgundischen überlegen war,nahmen mit der Zeit die Burgunder die römische Sprache an, wo-gegen sich die Römer für manche Dinge, namentlich militärische,die germanischen Bezeichnungen aneigneten. Ähnlich war es bei denGoten und Franken. Aus solchen Mischungen bildeten sich im Laufe