Buch 
Geschichtslehrmittel für Sekundarschulen / im Auftrage der Sekundarlehrerkonferenz des Kantons Zürich bearbeitet von R. Wirz ; in Verbindung mit H. Gubler ... [et al.]
Entstehung
Seite
127
JPEG-Download
 

127

alten Lasten kamen neue. Das Volk kannte nur noch Pflichten,aber keine Rechte und war erbittert über alles, was von der Re-gierung kam. Diese suchte immer neue Geldquellen. Eine all-gemeine Landessteuer, besonders für Verteidigungszwecke in derZeit des 30 jährigen Krieges, kam auf. Der Salz- und Pulverver-kauf wurde Staatssache (Monopol). Wer Vieh verkaufte, zahlte dasTrattengeld, vorn Volke ingrimmig das Ratten- oder Krottengeldgenannt.

Nicht selten revoltierte die Landschaft gegen die neuen Auf-lagen. So weigerte sich 1646 Wädenswil, die Kriegssteuer zu zahlen.Zürich aber besetzte das Dorf und ließ vier Anführer hinrichten.Das Volk sollte eingeschüchtert und an unbedingten Gehorsam ge-wöhnt werden.

2. Der Bauernkrieg von 1653. Ursachen. Während in Deutsch-land der 30jährige Krieg tobte, erfreute sich die Schweiz einesdauernden Friedens. In Scharen kamen deshalb deutsche Flücht-linge in unser Land. Hiedurch entstand eine größere Nachfragenach Lebensrnitteln. Getreide, Schlachtvieh, Wein etc. stiegen raschim Preise, desgleichen die Wohnungen und Güter. Die Söldnerwaren sehr gesucht und wurden gut bezahlt. Viele Bauern gabendas leichterworbene Geld mit vollen Händen aus und huldigten demLuxus. Nach dem Kriege aber folgte eine empfindliche Krisis. DieFlüchtlinge kehrten in ihre Heimat zurück und rasch sanken allePreise. Der Preis des Mütts Korn ging von 40 Batzen auf 8 hin-unter. Der Kriegsdienst geriet ins Stocken. Überall waren Geldnotund Mißbehagen. Die Regierungen kümmerten sich nicht im geringstenum die schlimmen Zustände; im Gegenteil, sie gaben den direktenAnstoß zu einer gewaltigen Volkserhebung.

Während des Krieges war das Geld begehrt und stieg im Werte.Darum fingen verschiedene Orte an, die Münzen schlechter zu prägen.Nach dem Friedensschlüsse ging das Geld auf den alten Wert zu-rück. Überall wurden nun die zu gering geprägten Münzen abge-wiesen. Eine neue Münzordnung war nicht zu umgehen. Da setzteBern plötzlich den Wert seiner Batzen um die Hälfte herunter undgab für die Auswechslung zum vollen Werte nur drei Tage Zeit.Andere Orte folgten nach. Es waren hauptsächlich die Bauern, diedarunter litten: Manche versäumten die Frist, und nachher brauchtees die doppelte Anzahl Batzen, um eine Schuld zu tilgen. DieMißstimmung erreichte den höchsten Grad.