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in besonderen Vereinigungen enge zusammenschlössen. Eine einige,starke Schweiz schien in weite Ferne gerückt.
2. Die Kloster- und Jesuitenfrage. Anfangs der 40er Jahrespitzten sich die Gegensätze immer mehr zu. Luzern und die übrigenkatholischen Kantone verlangten drohend die Wiederherstellung deraargauischen Klöster. Schließlich gab der Aargau soweit nach, daßer die vier Frauenklöster wieder herstellte. Dagegen verlangte Se-minardirektor Augustin Keller die Wegweisung der Jesuiten ausdem Gebiete der Schweiz. Dem wurde nicht Folge gegeben: ja,Luzern, das Haupt der Konservativen, berief den Liberalen zum Trotzdiesen Orden, um ihm die Leitung der höheren städtischen Schulenzu übergeben.
3. Die Freischarenzüge (1844 und 45.) Die Luzerner Liberalensuchten mit Hilfe von Freunden aus andern Kantonen das konser-vative Regiment gewaltsam zu stürzen. Zweimal wurden bewaff-nete Einfälle unter militärischer Leitung ins Luzernergebiet unter-nommen; aber beide Freischarenzüge endeten unglücklich. Einker-kerungen und harte Strafen wurden über die Teilnehmer aus demeigenen Kanton verhängt. Für die Gefangenen, die aus andernKantonen stammten, mußte ein Lösegeld von 350,000 Fr. bezahltwerden. Dr. Robert Steiger, der gefangene Führer der LuzernerLiberalen, wurde zum Tode verurteilt, konnte aber mit Hilfe seinerFreunde flüchten. Dagegen fiel Leu von Ebersol in seinem eigenenHause durch die Kugel eines elenden Mörders.
Die Freischarenzeit erregte alle schweizerischen Liberalen inaußerordentlicher Weise. In Zürich bewirkte sie den Sturz derkonservativen Regierung (1845). Die Liberalen ergriffen wiederumdas Staatsruder und Dr. Jonas Furrer von Winterthur, der alsMitglied des Erziehungsrates für die Berufung von Dr. Strauß gestimmthatte, wurde die führende Persönlichkeit in der Regierung. Seitdemstand Zürich im Kampfe für den Fortschritt in vorderster Linie.
4. Der Sonderbund. Infolge der Freischarenzüge erweitertendie katholischen Orte ihren Bund zu einem Sonderbund. Sie ver-sprachen einander bewaffnete Hilfe und wählten einen Kriegsrat.In Wien, Paris und Turin knüpften sie durch ihren gewandtenSekretär Bernhard Meyer Unterhandlungen an. Der Sonderbund,der den Interessen des gesamten Schweizerlandes offenbar entgegen-stand, verwischte die religiöse Seite des Streites; jetzt handelte es sichnicht mehr um Klöster und Jesuiten, das Feldgeschrei lautete: