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ledigen. Nur wenige der durch den Erlös der Heimwesen zu baremGelde gekommenen Bauern haben die Kraft, es auf die Bank zulegen und in einer stillen Ecke zu warten, bis es den Jahreszinsgetragen hat; viele werden Spekulanten und Händler. Andere er-kennen bei Zeiten, daß sie im Nichtstun verderben würden, undkaufen sich in den benachbarten Dörfern neue Güter. Noch andereergreift vor Langeweile das Amerikafieber; sie ziehen den jungenBurschen nach, die bereits früher über das Wasser gewandert sindund von ihren Farmen aus günstige Berichte in die alte Heimatsenden. Die Auswanderer sehen es jetzt ein, daß es ihnen aufihren Heimwesen im schönen Reifenwerd wohl genug hätte seinkönnen. Was hilft die Reue? Sie schnitzen sich ein Stück vornsonnversengten Balken des Vaterhauses, steigen noch einmal hinaufin den Rebberg und zeigen den Kindern den fernen Silberkranz derAlpen, der ihnen bisher so schön zum Tagewerk geleuchtet hat.Dann nehmen die starken, braunen Bauern, die Männer wie Eichen,herzbrechenden Abschied vorn Lande der Vater.
Aus „Felix Notfest“ von J. C. Heer. Cotta’sche Buchhandlung.
91. Aus dem Bericht des Gemeinderafes Wiedikon überFabrikkinder, die Spinnereien außerhalb der Gemeindebesuchen. 1855.
Diese Kinder gehören ganz der ärmsten Volksklasse an. Inkeiner Beziehung erhalten sie ihrem Wachstum und ihrer Anstren-gung angemessene und genügende Nahrung, namentlich nicht inteuren Zeiten. Halbnackt treten sie im Winter schon um fünf Uhrmorgens in die eisige Kälte. Winterstürme peitschen sie in dieschneeige, pfadlose Bahn; — so durchschauest, durchnäßt betretensie die dumpfe, unreinliche, von Dampf und Staub qualmende Ar-beitsstätte; diese bietet ihnen 14 volle Stunden arbeitsstrengen Auf-enthalt, nur mit einer Stunde Rast, mittags von 12—1 Uhr. Sojahraus, jahrein. Die Entwicklung ihrer körperlichen Kräfte wirdnicht gefördert durch die sorgsame Pflege, vielmehr gehemmt undgepeinigt von übermäßiger Anstrengung; ihrer jugendlichen Naturund Entwicklung wird Gewalt angetan. Erschöpfung folgt auf Er-schöpfung; ihr früheres, blühendes Aussehen verwandelt sich baldin einen bleichgelben, matten, abgezehrten Teint. Die frohe Lebendig-keit ihrer ersten Lebensjahre ist verschlungen von einem trägen,