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III. Die Neuzeit.
Übermacht ergeben. Die Mainarmee unter Vogel vonFalkenstein schlägt die Süddeutschen bei Kissingen undAschaffenburg und besetzt Frankfurt. Sein NachfolgerManteuffel dringt siegreich über den Main vor. Treffenbei Tauberbischofsheim. Waffenstillstand.
3. Der Lrieg in Italien. Die Österreicher siegen über dieItaliener zu Lande bei Custozza unter Erz herzog Albrecht,zur See bei Lissa unter Tegethoff. Trotzdem muß Öster-reich im Frieden zu Wien durch Napoleons VermittlungVenetien an Italien abtreten.
Friede zu Prag zwischen Österreich, seinen Verbündetenund Preußen: Schleswig-Holstein, Hannover, Kur-hessen, Nassau und Frankfurt fallen an Preußen. DerDeutsche Bund wird aufgelöst, Stiftung des NorddeutschenBundes (Norddeutscher Reichstag zu Berlin, BundeskanzlerBismarck). Schutz- und Trutzbündnis mit den süddeutschenStaaten, die nur die Kriegskosten zahlen müssen.
1870 Italien, das Venetien bekommt, erobert während desdeutsch-französischen Krieges durch Garibaldi Rom, dasjetzt die Hauptstadt des geeinigten Königreiches wird.
1870—1871 Der deutsch-französische Krieg.
Ursache: Die durch die politischen Erfolge Preußens er-schütterte Weltmachtstellung Frankreichs und die bedrohteLage der Napoleonischen Dynastie. Nach dem DeutschenKriege weist Preußen die Forderungen Napoleons betreffsAbtretung deutschen Gebietes „als Entschädigung" ener-gisch zurück, vereitelt seine Raubpläne gegen Belgien undverhindert den Ankauf Luxemburgs von Holland durchNapoleon; laut Beschluß der Londoner Konferenz wirddiese Festung geschleift und für neutral erklärt. Unter demSchlachtruf: „Rache für Sadowa" (d. i. Königgrätz) fordertman in Frankreich die Rhein grenze.
Anlaß zum Kriege wird die spanische Thronkandidaturdes Prinzen Leopold von Hohenzollern, deren einfacheZurücknahme Napoleon nicht genügt. Sein beleidigendes An-sinnen an König Wilhelm (Gesandter Venedetti in Ems),die Verzichtleistung der Hohenzollern für alle Zukunft zu ver-bürgen, wird energisch zurückgewiesen; am 19. Juli 1870wird die Kriegserklärung Frankreichs in Berlinüberreicht. Begeisterte Erhebung ganz Deutschlands gegenden Erbfeind; die Süddeutschen halten an dem Schutz- undTrutzbündnis mit Preußen fest; König Wilhelm, Oberbefehls-haber der deutschen Streitkrnfte, erneuert das Eiserne Kreuz.3 Armeen: a) die I Armee unter Steinmetz, der rechteFlügel, dringt die Nahe entlang in Lothringen ein;b) die II Armee unter dem Prinzen Friedrich Karl,als Zentrum von Mainz vorrückend;e) die III. Armee unter dem Kronprinzen FriedrichWilhelm von Preußen, bei der sämtliche süddeutschenTruppen stehen als linker Flügel von Baden aus vorrückend.Moltkes Grundsatz: Getrennt marschieren, vereint schlagen.