durch einen Fremdling, den begabten, aber gewissenlosen EdomiterHerodes, völlig ausgerottet, und dieser brachte es durch seine fügsameSchlauheit dahin, daß ihn die Römer als König von Palästina an-erkannten. Seinen Söhnen ließen sie jedoch nur noch einzelne Teiledavon; den wichtigsten, Judüa mit der Hauptstadt Jerusalem, ver-wandelten sie in eine Provinz und setzten Statthalter oder „Land-psieg er" darüber, welche hart und willkürlich regierten. Nur um soinbrünstiger hofften die Juden aus die Ankunft des Messias oderChristus*) aus Davids Geschlecht, der sie von der Knechtschaft derHeiden erlösen und durch sie das Reich Gottes auf Erden stiften werde.Das hatten ja die Propheten verheißen, wofern sie Moses Gesetze treu-lich befolgen würden. Ein eigener Stand von Schriftgelehrten(Rabbinern) befaßte sich mit dem Lehren und Auslegen des Gesetz-buches, das im Laufe der Zeit mit den ältern Geschichtswerken derHebräer, mit den Schriften ihrer Propheten, ihren Liedern und Sprich-wörtern zu einem heiligen Buche, der Bibel, vereint worden war,und fügte allmählich noch eine Menge Gebote meist äußerlicher Art hin-zu. Der Masse des Volkes wäre es beim besten Willen nicht möglichgewesen, diese zahllosen Reinheits-, Sabbaths- und Speisevorschriftengenau einzuhalten; aber Tausende nahmen es ernst damit und suchtendurch eine bis aufs äußerste getriebene Pünktlichkeit in der Beobachtungdes „Gesetzes" von Gott die Erfüllung seiner Verheißungen zu erlangen.Diese Frommen, Pharisäer (d. i. Abgesonderte) genannt, wurdenvom Volke wie Heilige verehrt und übten aus dieses größern Einflußaus, als der vornehme Priesteradel, die sogenannte» Sa dduzäer, dieim Tempel zu Jerusalem regierten, sich mit der römischen Herrschaftabzufinden suchten und die glühenden Messiashoffnnngen der Pharisäernicht teilten. Dagegen suchten die Essäer noch die Pharisäer zu über-treffen, indem sie sich ähnlich den spätern Mönchen ganz von der Weltzurückzogen, um in strenger Entsagung Gott zu leben und sich dadurchauf die Zeit des Heiles würdig vorzubereiten.
*) Ghristns heiß! „Gesalbter" und ist die griechische Übersetzung des hebräi-scheu „Messias", deren sich auch die Anden häufig bedienten, seit das Griechischedie allgemeine Sprache des Morgenlandes geworden war.
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