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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / von Wilhelm Oechsli. 2. Bd. (zweiter Teil und dritter Teil / 1. Hälfte) Mittlere und neuere Geschichte
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sich i» die Einsamkeit begeben, wo er in verfallenem Gemäuer wohnteund alle sinnlichen Triebe in sich zu ersticken suchte; kaum, daß er sichein wenig Schlas und Nahrung gönnte. Bald verbreitete sich sein Rufweithin; viele wollten ihm nacheifern, ließen sich in seiner Nähe niederund anerkannten ihn als ihren Leiter. So entstand eine ganze Kolonievon Einsiedlern oderMönchen" (moiina'Uoi, d. h. Einsamlebende).Pachomius, einer seiner Jünger, gründete auf einer Nilinsel daserste Kloster, indem er die Mönche in einer nach außen abgeschlossenen,gemeinschaftlichen Wohnung vereinte und für ihre Lebensweise gewisseVorschriften oderRegeln" aufstellte, durch die besonders strenger Ge-horsam gegen den Vorsteher (Abt vom griechischen ^bbas) eingeschärftwurde. Noch immer gab es daneben eine Menge wirklicher Einsiedler;aber die Mönche, die unter einem Vorsteher zusammenwohnten, wurdenbald unendlich zahlreicher. Auch Frauen entsagten der Welt und lebtenals N o n n en in Klöstern vereint. Von Aegypten aus griff das Mönch-tum im ganzen Morgenland so gewaltig um sich, daßStädte einsamund Wüsten bevölkert wurden." Frühe drang es auch ins Abendland undfand hier einen weisen Gesetzgeber in dem heiligen Benediktus vonNursia (um 500). Dieser stellte für das Kloster M onte Cassinoin Ilnteritalien, das er gegründet hatte, eine feste Regel auf, welchedie Aufzunehmenden zu dem dreifachen Gelübde der Armut und Ehe-losigkeit, des Gehorsams und des Verbleibens im Kloster verpflichteteund gebot, daß mit den religiösen Uebungen nützliche Arbeiten ab-wechseln sollten. Diese Regel wurde bald von den meisten Klöstern imAbendlands angenommen, und es entstand dadurch der älteste Mönchs-orden, derjenige der Benediktiner, der sich durch seine regeTätigkeit vorteilhaft von dem in träumerisches Nichtstun versunkenenMönchtnm im Morgenlande unterschied.

13. Wirkungen des Christentums. Großes hat dasChristentum für die Veredelung der Menschheit geleistet. Unablässigbekämpfte es Laster und Sünde und nicht ohne Erfolg; auch die Heidenkonnteickder Sittenreinheit der ersten Christen ihre Anerkennung nichtversagen. Die Kirche nahm Freie und Unfreie, Römer und Barbarengleicherweise in ihren Schoß aus; sie lehrte, daß vor Gott kein Ansehender Person gelte, und verbreitete dadurch die Erkenntnis, daß alle