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Schwäche, daß die Religivn der Liebe mehr als irgend eine andere denFanatismus erzeugt hat, jenen blinden Wahn, der meint, im Allein-besitze des rechten Glaubens zu sein und jede Abweichung davon als einVerbrechen verfolgen zu müssen? Nicht nur haben die Christen denHeiden die erlittene Drangsal nach Kräften vergolten und dabei ausbarbarische Weise die erhabensten Kunstwerke des Altertunis zerstört;frühe fingen sie an, zum Erstaunen ihrer Gegner, wie wilde Tiere untereinander zu wüten. Der arianische Streit kostete Tausenden das Leben.Auf einer Kirchenversammlung, die man hernach das „Räuberkonzil"nannte, trat der Patriarch von Alexandrien den von Konstantinvpel mitFüßen, daß er starb. Bischof Ambrosius wollte von der Hinrichtungder „Ketzer" noch nichts wissen; aber nur zu bald kam die Zeit, wodie Kirche Jesu Verbot, kein Blut zu vergießen, damit umging, daßsie dieselben dem Staat überlieferte, damit er sie lebendig verbrenne.Damit wurde zugleich die Geistesfreiheit erstickt und der Fortschritt inder Wissenschaft unmöglich gemacht. — Was das Römerreich imbesonderen anbetrifft, so hat das Christentum seinen Untergang eherbeschleunigt als aufgehalten. Es entzog dem Staate die besten Kräfte,indem es gerade die Tüchtigsten aus seinem Dienst in den der Kircheherüberlockte. So wurde der treffliche Ambrosius aus dem Statthalterzum Bischof von Mailand. Was kümmerte den frommen Christen dieBedrängnis seines irdischen Vaterlandes? Statt für dasselbe dieWaffen zu ergreifen, quälten sich taufende der kräftigsten Männer inder Einöde oder hinter den Klostermauern langsam zu Tode in derMeinung, dadurch im Himmel eine Heimat zu gewinnen. „Nichts istuns gleichgültiger als der Staat", schreibt ein Kirchenlehrer, und dergrößte derselben, der hl. Augustin, der um 400 n. Chr. als Bischofin der Provinz Afrika lebte, erklärte, als die Barbaren von allen Seitenher über das Reich hereinbrachen, es sei gleichgültig, unter welcherHerrschaft man lebe, wofern man nur nicht gezwungen werde, das Gott-lose zu tun. Wohl hatte schon der kaiserliche Despotismus den opfer-freudigen Bürgersinn, die Vaterlandsliebe der griechisch-römischen Weltgeknickt; aber seit dem Siege des Christentums kannte man diese Tugen-den kaum mehr dem Namen nach. — Wenn indes die christlichen Nach-kommen der Helden von Salamis und Zama ihr Reich feige und