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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / von Wilhelm Oechsli. 2. Bd. (zweiter Teil und dritter Teil / 1. Hälfte) Mittlere und neuere Geschichte
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Parther ein Ende gemacht und ein neues Perserreich gestiftet, dasbald sehr mächtig wurde und mit den Römern fortwährend um Meso-potamien kämpfte. Aber unendlich mehr bedroht wurden diese von dentapfern Bewohnern des heutigen Deutschland. Das weite Gebietzwischen Rhein, Nord- und Ostsee, Weichsel und Donaubot vor zwei Jahrtausenden ein anderes Bild dar als jetzt. Ein feuchter,nebliger Urwald, in dem Auerochsen, Riesenhirsche, Bären, Wölfe undLuchse hausten, bedeckte großenteils das snmpfreiche Land; kein Frucht-baum, kein Weizen gedieh, unter eisiger Luft schien da dem Südländeralles zu erstarren. Hier, sowie auf den skandinavischen Halbinselnwohnten eine Menge streitbarer Völkerschaften, die nach Körperbildung,Sprache, Sitte und Religion einander enge verwandt waren, dieGermanen,*) wie die Griechen, Jtaliker, Kelten und Slaven einZweig der großen indogermanischen Völkerfamilie. Rotblondes Haar,blaue Augen, hoher, kräftiger Wuchs der Männer und Weiber zeichnetensie aus. Ihre Lebensweise schwankte zwischen der Art der Nomadenund Ackerbauer. Wohl bauten sie. Häuser, aber nur aus rohen Baum-stämmen, und nicht zu Städten zusammengereiht, in denen sie sich wiegefangen vorkamen, sondern als offene Dörfer oder auch als einsameHöfe. Noch war der Boden Gemeingut; Nahrung gewährten Viehzuchtund Jagd, der Feldbau wurde nur kümmerlich betrieben; die Lieblings-beschäftigung aber war Raub und Krieg. Gab es nichts zu kriegen oderzu jagen, so fröhnten die Männer dem Müßiggang bei Trunk undWürfelspiel, welchem sie so leidenschaftlich huldigten, daß sie oft Habund Gut, ja die Freiheit verspielten. Das Warten des Viehes, dieBestellung des Ackers überließen sie den Frauen und Knechten. Be-greiflich, daß sie nicht stark an ihre Heimat gefesselt waren; es warihnen leicht, sie zu verlassen, um eine neue aufzusuchen. Bei alledem

*) „Germanen" wurden unsere Vorväter von den Kelten und später vonden Römern genannt. Sie selber hatten ursprünglich keinen Gcsamtnanien.„Deutsch," d. i. volkstümlich (von dem althochdeutschen eiiot, mittelhochdeutscheilst — Volk) hießen sie nur ihre Sprache im Gegensatz znm Latein, der Spracheder Gelehrten und der Kirche; erst ziemlich spät, im 9. Jahrhundert etwa. gingdiese Bezeichnung auf die diesseits der Nord- und Ostsee wohnenden Germanenselber über.