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einen Zustand geriet, der an den des alten Griechenland erinnert. JedeStadt wollte nur ihrem Willen folgen, unbekümmert um die übrigen,eine war auf die andere eifersüchtig, und in unaufhörlichen Fehden suchtendie stärkeren die schwächeren zu vernichten oder zu unterjochen. Dabeiertönten noch immer die Parteinamen der Gneisen und Ghibellinen,obschon sie ihre alte Bedeutung längst verloren hatten. Die einzelnenStädte waren selber wieder in sich gespalten durch wilde Parteikämpsezwischen den alten, vornehmen Geschlechtern, die das Regiment alleinin den Händen haben wollten, und dem geringern Volke, das auch An-teil daran begehrte. Wie einst in Griechenland, benutzten verwegeneParteiführer die Verwirrung, um sich zu Alleinherrschern auszuwerfen.Wen Volksschmeichelei nicht aus Ziel führte, der hals sich durch Gift undDolch, Söldnerbanden und blutige Grausamkeit, wie es eben ging. Bei-nahe alle Städte Italiens wurden zuletzt die Beute solcher Tyrannen.So auch das freiheitsstolze Mailand, dessen Gewaltherrscher aus denGeschlechtern der Visconti und der Sforza (seit 1450) sich Herzogenannten und zum Teil halbverrückte Wüteriche waren, zum Teil aberauch als kunstsinnige Fürsten, als Erbauer großartiger Werke, wie desMailänder Doms und der Karthause bei Pavia, glänzten. Aus dem all-gemeinen Wirrwarr gingen zuletzt Mailand mit der Lombardei alsUntertanenland, Venedig als Gebieterin Venetiens und Florenzals diejenige Toscanas hervor. Diese drei Städte nebst dem Kirchen-staate und Neapel bildeten die fünf italienischen Hauptstaaten, vondenen jeder dem andern furchtbar, aber keiner stark genug war, um dieHalbinsel vor den Fremden zu schützen. Daher wurde Italien gegenEnde des Mittelalters ein Spielball der Franzosen, Spanier, Schweizerund Deutschen, die sich um seine schönsten Provinzen rissen, und gerietabermals auf Jahrhunderte in schmachvolle Abhängigkeit vom Auslande.
2. Venedig und Florenz. — Trotz seiner Zerrissenheit warItalien vor der Entdeckung Amerikas in Gewerbe, Handel, Seefahrt,Kunst und Wissenschaft das erste Land der Welt. Venedig war dergrößte Handelsplatz, die „Königin der Meere", mit seinen Kuppel-kirchen und Marmorpalästen, seinen glänzenden Kaufläden, unzähligenSchiffen und seinem dichten Menscheugewühle die schönste StadtEuropas. Im Gegensatz zu Mailand, war es eine Republik geblieben,