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bestätigten die Wahrheit der Lehre des Kopernikus. Leider fand die Kirche,sowohl die katholische als die protestantische, daß diese der Bibel wider-spreche, und verdammte sie als eine Ketzerei. Der siebzigjährige Galileiwurde sogar nach Rom vor die Inquisition geladen und durch Androhungder Folter zur Verleugnung und Abschwörung seiner Überzeugung ge-zwungen (1633). Bis zu seinem Tod blieb der greise Gelehrte unter derspeziellen Überwachung des Inquisitors in Florenz. — Dagegen erwarbsich die katholische Kirche ein Verdienst, indem sie aus Grund der Be-obachtungen der Astronomen den julianischen Kalender verbesserte. Weildie Gelehrten des Julius Cäsar, das Jahr um 11 Minuten zu groß an-genommen hatten, war man im Jahre 1582 um volle 10 Tage hinterder wirklichen Zeit zurück. Da verordnete Papst Gregor XIII., nachdem 4. Oktober gleich den 15. zu zählen und in der Folge binnen 400Jahren drei Schalttage wegzulassen. Während die Katholiken den ver-besserten Kalender sofort einführten, nahmen ihn die Protestanten ausAbneigung gegen Rom in Deutschland und der Schweiz erst um 1700,in England und andern Orten noch später an; die Russen und Griechenhalten sogar heute noch am alten fest.
III. Martin Luther.
Ranke, Deutsche Geschichte im Zeitalter der Deformation, 6 Bde. Häufser» Geschichte desZeitalters der Deformation. Egelhaaf, Deutsche Geschichte im Zeitalter der Deformation. Derselbe,Deutsche Geschichte im 16. Jahrhundert, v. Detzvld, Geschichte der deutschen Deformation (Oncken).Koestlin» Martin Luther, sein Leben und seine Schriften, 2 Bde. Lenz, Martin Luther. Kolde,Martin Luther, 2 Bde. Derselbe, Luthers Leben. HausraLH, Luthers Leben, 2 Bde. Baum-garten» Geschichte Karls V., 3 Bde. Eignet, Hivalite cie kü'an^ois I et <Ze Ldarles-Huint, 2 Bde;derselbe, Gkarles-Huint, son abäication, 8on sejour et sa mort au monastere 6e Vouste. Janssen.Geschichte des deutschen Volkes seit dem Ausgange des Mittelalters, 8 Bde. (vom ultramontan-katholischen Standpunkt aus).
1. Reuchlin und die Kölner (1510—1520). — Mit derjugendlichen Tatkraft des Zeitalters befand sich der Zustand der Kirchein schreiendem Widersprüche, um so mehr, als diese noch immer mächtiggenug war, um jeden freieren Geist zu vernichten. Als ein getaufterKölner Jude, namens Pfefferkorn, bei Kaiser Maximilian den Befehlauszuwirken suchte, daß alle hebräischen Bücher mit Ausnahme der Bibelverbrannt werden müßten, und Reuchlin, vom Kaiser um ein Gut-achten gebeten, sich im Interesse der Wissenschaft dagegen aussprach,verklagten ihn die Professoren der Kölner Hochschule, meist Dominikaner-