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nahm er den Handschuh auf und erbot sich, in einer Disputation,wie sie damals unter den Gelehrten üblich waren, seinem Angreifer Redund Antwort zu stehen. Das Gespräch fand 1619 vor zahlreichen Zu-hörern zu Leipzig statt. Einer von Ecks Sätzen lautete, das Papst-tum sei von Jesus Christus eingesetzt. Mit gutem Grunde verfocht Lutherdie spätere Entstehung des Papsttums, und als Eck erwiderte, um solcherLehre willen seien Willis und Hus vom Konzil zu Kostnitz verdammtworden, stand er keinen Augenblick an zu sagen, Hus habe in manchemrecht gehabt unddieWahrheit der heiligen Schrift stehe überPäpsten und Konzilien. Damit hatte Luther den Grund der be-stehenden Kirche angegriffen; denn wenn nicht die Päpste, so hatten dochdie rechtmäßig versammelten Konzilien bisher allgemein für unfehl-bar gegolten.
6. Verbrennung der Bannbulle (10. Dez. 1620). — Froh-lockend eilte Eck nach Rom und erwirkte gegen den „neuen Husfiten"den Bann der Kirche. Aber auch Luther ließ jetzt alle Rücksichten fallen;schonungslos enthüllte er in Wort und Schrift die Gebrechen der Kirche.Mit feiner Stimme vereinte sich diejenige des Ritters Ulrich vonHütten, der, für Freiheit und Vaterland glühend, in seinen Flug-schriften die römische Kurie und ihre Legaten mit Spott und Hohn über-schüttete und die deutsche Nation aufforderte, sich das römische Nattern-gezücht vom Halse zu schaffen. Huttens Freund, der mächtige Franzvon Sickingen, bot mit anderen Edelleuten dem Wittenberger MönchSchutz auf seinen Burgen, was Luther zu einem „Sendschreiben an denAdel deutscher Nation" veranlaßte, in welchem er mit grimmigem Hassedas ganze bestehende Kirchentum angriff und Fürsten, Adel und Städteaufforderte, ohne Rücksicht auf den in Rom sitzenden „Antichristen" dieKirchenverbesferung an die Hand zu nehmen. Aber auch Kurfürst Fried-rich war keineswegs gesonnen, seinen berühmten Lehrer preiszugeben,bloß weil er, mit Erasmus zu reden, „dem Papst an die Krone und denMönchen an die Bäuche gegriffen". Dadurch ermuntert wagte Lutherden kühnen Schritt, die gegen ihn gerichtete, in vielem Exemplaren ver-breitete Bannbulle, nebst einer Sammlung päpstlicher Erlasse, im Beiseinder Professoren und Studenten der Hochschule in Wittenberg öffentlichzu verbrennen. Vor zweihundert Jahren hatte der König von Frankreich
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