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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / von Wilhelm Oechsli. 2. Bd. (zweiter Teil und dritter Teil / 1. Hälfte) Mittlere und neuere Geschichte
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des Landes, also auch den Majestätsbrief beschwöre. Ferdinand tatdies; aber kaum hatte er sich die böhmische Krone aufgesetzt, beganndie religiöse Verfolgung heftiger als je. Als der Erzbischof von Prageine evangelische Kirche zu Klostergrab kurzerhand niederreißen ließund Matthias auf die Klagen der Protestanten mit Drohungen ant-wortete, ritten die Häupter des böhmischen Adels, den Grafen Thurnan der Spitze, nach Prag, drangen ins Schloß und warfen zwei derverhaßtesten kaiserlichen Statthalter, Martinitz und Slawata,samt ihrem Schreiber durch das Fenster sechzig Fuß tief in den Schloß-graben hinunter (Mai 1618). Bald stand das ganze Land in HellerEmpörung. Wahrend Ferdinand II. nach Matthias' bald darauferfolgten: Tode in Frankfurt zum Kaiser gekrönt wurde, sprach derböhmische Landtag seine Entsetzung aus und wählte den KurfürstenFriedrich V. von der Pfalz, das Haupt der protestantischen Union,zum Könige, der die ihm dargebotene Krone annahm. Ferdinand be-fand sich in der schlimmsten Lage; überall in seinen Landen gärte derAufruhr, und es fehlte ihm an Geldmitteln, um die nötigen Truppenaufzustellen. Da bot ihm Herzog Max von Bayern die Hilfe seinerLiga an, die ein wohlgerüstetes Heer und in dem Belgier Tilly,einem Schüler Farneses, einen vorzüglichen Feldherrn besaß. Fried-rich V. dagegen wurde von der Union vollkommen im Stich gelassen;der mächtigste unter den evangelischen Fürsten Deutschlands, der Kur-fürst von Sachsen, machte sogar aus Haß gegen den calvinischenPfälzer mit dem Kaiser gemeinsame Sache. Tilly rückte 1620 in Böhmenein; am weißen Berge bei Prag kam es zur Schlacht und in einerStunde war alles entschieden. Friedrichs V. Heer wurde geschlagen;er selber entfloh, statt sich in dem festen Prag zu verteidigen, nach Hol-land. Die Böhmen, ihres Hauptes beraubt, unterwarfen sich und einfurchtbares Strafgericht folgte. 27 ihrer Führer wurden zu Prag ent-hauptet, zahllose Edelleute und Bürger durch Einziehung ihrer Güteran den Bettelstab gebracht und die Freiheiten des Landes vernichtet;den Majestätsbrief zerschnitt Ferdinand mit eigener Hand. Die evan-gelischen Prediger wurden verjagt; dafür strömten Jesuiten und Mönchein Scharen herbei, und wo ihr Zureden nichts fruchtete, vollbrachtenBanden entmenschter Söldner, die man den Hartnäckigen ins Haus