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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / von Wilhelm Oechsli. 2. Bd. (zweiter Teil und dritter Teil / 1. Hälfte) Mittlere und neuere Geschichte
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dessen Steuerlast er ansänglich erleichtert, wieder elend machen müssen,um dem König die Mittel zn seinen Raubkriegen auszubringen, undstarb 1 <>33 voller Schmerz darüber. Mit ihm schied Frankreichs guterEngel; denn der alternde Ludwig war jetzt ganz dem Einflüsse desbrutalen Lonvvis, des Jesuiten La Chaise, seines Beichtvaters, undder bigotte» Frau von Maintcnon preisgegeben, die er als Erzieherinder Kinder einer Geliebten kennen gelernt und sich zuletzt heimlich alsGemahlin angetraut hatte. Am schwersten tras dieser Wechsel dieHugenotten. Schon längst hatte der katholische Klerus auf ihreUnterdrückung hingewirkt und beim König geneigtes iDhr gesunden. Mitdem Tode Colberts, der sie als 2 Millionen der betriebsamsten, tätigstenUntertanen geschätzt und deshalb nach Kräften geschirmt hatte, war ihrletztes Bollwerk dahin, und Ludwig machte sich nun daran, das edelsteWerk seines Großvaters planmäßig zu zerstören. Man schloß die Pro-testanten von allen Ämtern und den gelehrten Bernfsarten aus, manverbot ihnen, ein Handwerk zu übe», man zerstörte ihre Kirchen, manentriß den Eltern ihre Kinder, um sie katholisch zn erziehen. Kein Mittelblieb »»versucht, um sie zum Abfall zu zwingen. Das Höchste leisteteLonvvis, indem er bei den Ketzern Dragonerbanden einquartieren ließ,welchen er gestattete, alle möglichen Greuel zu verüben außerdem Morde.1686 endlich hob Ludwig XIV- das Edikt vou Nantes förmlichaus und verbot jeden protestantischen Gottesdienst unter den härtestenSlrafen. Auswanderung war den unglücklichen Reformierten bei Ga-leeren- und Todesstrafe untersagt; dennoch gelang es Hnnderttansenden,vor der unmenschlichen Verfolgung in die Fremde zn entkommen, diesie mit ihrer Habe, ihrem Kunstfleiß und ihren Kentnissen bereicherten,während Frankreich um so viel ärmer wurde.

7. Pfälzischer Krieg (1688 97). Während das Landschon dem innern Ruin entgegen ging, fröhnte Ludwig mehr als je seinerzügellosen Eroberungssucht. Er erhob im Namen der Gemahlin seinesBruders, einer pfälzische» Prinzessin, Ansprüche auf die Pfalz, derenKurfürst kinderlos gestorben war, und besetzte sie 1688. Diesmalscharten sich jedoch die deutschen Fürsten fast einmütig um den Kaiser,um Deutschland vor der Raubgier Ludwigs zn schützen. Vor allem aberwurden seine Pläne durch Wilhelm III. von Lranie» gekreuzt, den