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die mit dem Teufel im Bunde standen, die Hexen und Zauberer. Dieentsetzliche Frucht dieses Aberglaubens waren die Hexenprozesse, dieaus Betreiben der Päpste schon im Mittelalter begonnen hatten, abererst im 17. Jahrhundert ihren Höhepunkt erreichten. Protestantischeund katholische Regierungen wetteiferten in dem Bestreben, die Ver-bündeten des Teufels auszurotten. Kein Alter, kein Rang, kein Ge-schlecht schützte.vor dem furchtbaren Verdacht.*) Die Anklage aber warfast gleichbedeutend mit der Verurteilung, denn mittelst der Folter er-preßte man den Unglücklichen alle beliebigen Geständnisse. Ein sizilia-nischer Inquisitor rühmt im Jahre 1596, daß seit 150 Jahren wenig-stens 30,000 Hexen von der Inquisition in Spanien, Italien undDeutschland verbrannt worden seien. Im Bistum Bamberg wurdenin einem Jahrzehnt 600 Personen, darunter 22 Mägdlein unter zehnJahren, im Bistum Würzburg binnen 8 Jahren 900 Personen wegenHexerei verbrannt. Aber auch im bernischen Waadtland fanden 1596bis 1600 255 Hinrichtungen wegen Hexerei statt. Nicht an die Hexenzu glauben, galt für eine Art Gvttesleugming. Dennoch erhoben all-mählich einzelne wackere Männer ihre Stimme gegen diesen Greuel, soder protestantische Arzt Weyer in Düsseldorf, der 1563, und der Je-suit Friedrich von Spee, der während des dreißigjährigen Kriegeseine Schrift dagegen, freilich ohne Vorwissen seiner Obern, herausgab.Allein die Verfolgungen dauerten noch tief ins 18. Jahrhundert hinein;in Frankreich fand die letzte Hinrichtung 1718, in Deutschland 1775statt, in Glarus erlitt noch 1782 und in Posen sogar noch 1793 eineHexe den Tod.
6. Barbarei der Rechtspflege. — Diese unzähligen Justiz-morde wären unmöglich gewesen ohne die barbarische Rechtspflege jenerZeit. In dem Angeklagten erblickte das Gericht nur zu leicht auch schonden Schuldigen.**) Kein Verteidiger wurde ihm zur Seite gegeben.
*) In Luzern wurde 1652 eine 85jährige Frau lebendig verbrannt, in demgleichen Jahre ein Mädchen von 11 Jahren und 1659 sogar eines von 7 Jahrenzuerst im Turm erwürgt und dann verbrannt.
**) Ein witziger Franzose sagte: „Wenn man mich anklagte, die Türme derNotre-Dame gestohlen zu haben, so würde ich es vorerst fürs Klügste halten, michin Sicherheit zu bringen."