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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / von Wilhelm Oechsli. 2. Bd. (zweiter Teil und dritter Teil / 1. Hälfte) Mittlere und neuere Geschichte
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Glück wollte, daß sich die Blüte seines Geisteslebens gerade erschloß,als die Hanptkämpse der Aufklärung schon geschlagen und die Lüsteschon gereinigt waren. Seine großen Dichter und Denker standen da-her, obschon sie bei den Franzosen und Engländern in die Schule ge-gangen waren, insofern über diesen, als sie kühler, unparteiischer unddaher in ihrem Urteile gerechter und wahrer sein konnten. WährendVoltaire und Diderot in den verschiedenen Religionsbekenntnissen nurPsaffentrug zu erblicken vermocht hatten, lehrte der große Lessing,der übrigens wie kein anderer das Schwert des Geistes gegen dasJoch des Buchstabens schwang, den ewigen Gehalt, den sittlichenKern des Christentums und aller Religionen überhaupt erkennen »ndschätzen. Keine Religion, sagte er, darf sich unumstößlicher Gewißheitrühmen und die, welche nicht zu ihr halten, verfolgen; aber jede istberechtigt und wohltätig für gewisse Zeiten, gewisse Völker. Herderwandte diese Erkenntnis der geschichtlichen Entwicklung, die uns gegenjedes Volk, gegen jede Zeit und Kulturstufe gerecht sein läßt, auf alleGebiete des Lebens an, auf Poesie, Kunst, Wissenschaft und Politik.Gleichzeitig vertiefte Jmmannel Kant aus Königsberg alle Fragender Philosophie, des Rechtes und der Staatswissenschaft, welche dieFranzosen mit mehr Geist und Witz als Gründlichkeit behandelt hatten,mit umfassender Gelehrsamkeit und einer durchdringenden Geistes-schärfe, die ihn zum ersten Denker der Neuzeit machte. Als die Blütedieser gereinigten und veredelten Aufklärung erscheint die klassischeDichtung der Deutschen. .Keine Literatur atmet wie diese den Geistwahrer Freiheit und einer aller Vorurteile entkleideten reinen Mensch-lichkeit. Daher kommt es, daß die Werke Lessings, Schillers undGoethes ein unversieglicher Born der Begeisterung für alles Gute,Wahre und Schöne bleiben werden, so lange die deutsche Sprache klingt.

II. Der aufgeklärte Despotismus in den romanischen Staatenund die Aufhebung des Jesuitenordens.

Schäfer, s. S. 1. Martin, S. 1. Duckte» S. 249.

1. Pombal (175077). Im Gegensatz zu Montesquieu undRousseau stellten Voltaire und die Ökonomisten den Despotismus alsdie beste Staatsform hin, vorausgesetzt, daß der Despot ein aufgeklärter