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schehen müssen; aber die Masse des spanischen Volkes blieb allen fort-schrittlichen Neuerungen abhold. Der Nachfolger Karls III., Karl IV.,ein Schwächling nach der Art der letzten Habsburger, verbannte dieMinister seines Vaters vom Hofe und ersetzte sie durch einen Günst-ling seiner sittenlosen Gemahlin, Godop, unter dem in wenig Jahrenzu Grunde ging, was seine Vorgänger gesät hatten. „Die schlimmstenFormen bürgerlichen, politischen und religiösen Druckes", sagt einKenner des spanischen Geisteslebens, „legten sich mit neuem, unglück-verheißendem Gewicht auf das Land."
HI. Friedrich der Große.
Oncken, Das Zeitalter Friedrichs des Großen, 2 Bde. Dove, Das Zeitalter Friedrichs desGroßen und Josephs N. Deimann, Neuere Geschichte des preußischen Staates, 3 Bde. Dropsen,s. S. 239. Lsrlpie, blistör^ ok freäerick tlie Oreat, 13 Bde., deutsch 6 Bde. Kugler, GeschichteFriederichs des Großen. Kvser, Friedrich der Große als Kronprinz. Derselbe, Konig Friedrichder Große. 2 Bde. Bernhardt. Friedrich der Große als Feldherr, 2 Bde. Nanke, Zur Geschichtevon Österreich und Preußen zwischen den Friedensschlüssen von Aachen und Hubertusburg. Schäfer.Geschichte des Siebenjährigen Krieges, 2 Bde. Arnetb» Geschichte Maria Theresias. 10 Bde.Heigel, Deutsche Geschichte vom Tode Friedrichs des Großen bis zur Auflösung des alten Deichs.2 Bde.
1. Friedrichs Jugendzeit (1712—40). — Der bedeutendsteder erleuchteten Despoten des 18. Jahrhunderts war unstreitig Fried-rich II. von Preußen (1712—86), der sich durch seine glänzendenKriegstaten den Beinamen des Großen erwarb. Von einem ge-bildeten Franzosen erzogen, zeigte er anfänglich weit mehr Geschmackan Literatur und Musik, als an den langen Soldaten seines VatersFriedrich Wilhelms I., der ihn deshalb als einen Bücherwurmverachtete und durch planmäßige Mißhandlungen zur Thronentsagungzu treiben versuchte; wenig fehlte, daß er eines Tages den Knaben miteiner Vorhangschnur selber erwürgt hätte. Der Prinz suchte sich zu-letzt diesen Brutalitäten durch Flucht nach England zu entziehen; seinPlan wurde verraten, er selbst in die Feste Küstrin gesperrt und seinFreund, der Leutnant Katte, als Mitwisser vor seinen Augen hin-gerichtet. Durch vollständige Unterwerfung unter den Willen des Vatersgelang es ihm, sich mit diesem auszusöhnen, und er lebte nun alsKronprinz auf seinem Schlosse Rheinsberg, von einem Kreise geist-reicher Leute, von Franzosen oder französisch gebildeten Deutschen