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Grundsteuer ohne Unterschied des Besitzers zu erheben. Auch in andernDingen führte er die Gleichheit vor dem Gesetze ein und gewährtePreßfreiheit, milderte die Strafgesetze, schaffte sogar vorübergehenddie Todesstrafe ab und war unaufhörlich auf Verbesserungen allerartbedacht.
2. Josephs Aus gang. — Aber Joseph II. verfiel in den ge-wöhnlichen Fehler der aufgeklärten Monarchen. Er regierte zu viel,er wollte alles. Großes und Kleines, selber tun und entscheiden undduldete keinen Widerspruch. Er gebot sogar, die Toten in Säcken zubegraben, statt in Särgen, damit sie schneller verwesen. Weil er vonder Reinheit seiner Absichten überzeugt war, glaubte er immer auchdas Richtige zu treffen, und doch waren viele seiner Maßregeln ganzverkehrt. So meinte er den Wohlstand seines Reiches zu erhöhen, in-dem er es vom Verkehr mit dem Auslande fast gänzlich absperrte undjede Einfuhr von fremden Fabrikaten und Gennßmitteln aufs strengsteuntersagte. Um seine Reformen leichter durchzusehen, beabsichtigte er,die durch Zufall und unter den verschiedensten Bedingungen an Habs-burg gekommenen Länder in einen vom Kaiser durch seine Beamtenregierten absolutistischen Einheitsstaat mit gleichen Gesetzen und gleicherVerwaltung zu verwandeln und in dem vielsprachigen Reiche dasDeutsche als einzige Amtssprache einzuführen. Dadurch verletzte eraber das Selbständigkeitsgefühl der verschiedenen Völkerschaften, ins-besondere der Ungarn und Belgier, deren althergebrachte, verbriefteRechte und Freiheiten er im Interesse des Ganzen mißachten zu dürfenglaubte. — Sicherlich hätte Joseph II. seiner ganzen Kraft bedurft,um seine zahllosen innern Reformen durchzusetzen. Aber er war zu-gleich rastlos bestrebt, als „Mehrer" seines Reiches zu glänzen, undstürzte es durch seinen unruhigen Ehrgeiz in die größten Gefahren.Noch zu Lebzeiten Maria Theresias entzündete er einen neuen Kriegmit Preußen. Als die regierende Linie des bayrischen Kurfürsten-hanses 1778 ansstarb, wollte er unter dem Vorwande von Erban-sprüchen ein großes Stück Bayerns an sich reißen. Aber Friedrich derGroße, eifersüchtig auf jeden Machtzuwachs Österreichs in Deutschland,warf sich zum Verteidiger der bedrohten „deutschen Freiheit" anf undrückte mit einem Heere in Böhmen ein. Maria Theresia wollte es