und die Untertänigkeit der Banern wieder verschärfte. So ging Jo-sephs Wirken säst spurlos an der Monarchie vorüber.
4. Katharina II. von Rußland (1762—t)6). — Auch Ruß-land wurde das Glück des aufgeklärten Despotismus zuteil. Nachdem Tode der Zarin Elisabeth hatte ihr Schwestersohn Peter III.von Holstein, ein Deutscher, den Thron bestiegen, jener Bewundererund Nachäffen Friedrichs des Großen, der diesen vom Untergang rettete,im übrigen ein einfältiger, roher Geselle. Er lebte mit seiner Ge-mahlin Katharina II., einer deutschen Prinzessin, im offenen Un-frieden und ging mit dem Plane um, sie in ein Kloster zu sperren.Aber Katharina kam ihm zuvor; sie gewann die Soldaten in derHauptstadt für sich und ließ sich zur Selbstherrscherin ausrufen, wor-auf Peter III. von ihren Mitverschworenen umgebracht wurde. Einsittenloses, aber hochbegabtes Weib, wußte die Kaiserin durch eineglänzende Regierung die Art ihrer Erhebung bald in Vergessenheit zubringen. Durch ihr Liebäugeln mit der Aufklärung wurde sie gewisser-maßen der Liebling ihrer Wortführer. Mit dem Patriarchen vonFerney stand sie bis zu seinem Tode in lebhaftestem Briefwechsel, undDiderot machte ihr sogar einen Besuch. Ihren Enkel Alexanderließ sie durch eine» Schweizer Republikaner, den Waadtländer Fried-rich Cäsar Laharpe, erziehen. An Freisinn schien sie alle Mo-narchen Europas zu überbieten. Sie berief eine Reichsversammlungein, die ei» neues Gesetzbuch nach den Grundsätzen der Aufklärungentwerfen sollte, und verfaßte für sie eine gedruckte „Instruktion", dieso freisinnig war, daß die französische Regierung den Verkauf derSchrift für ihr Land verbot. Aber nachdem die Kaiserin der erstauntenWelt eine Weile den Anblick eines russischen Parlamentes gegönntund das Lob dafür eingeerntet hatte, schickte sie es wieder nach Hause,ehe es auch nur die Vorarbeiten zu dem großen Gesetzbuche recht be-gonnen hatte.*) — Immerhin erwarb sie sich wirkliche Verdienste um ihr
*) Während Katharina auf diese und andere Weise die Well lauschte, sowurde sie wiederum von ihren Günstlingen auf unglaubliche Weise betrogen,namentlich durch den glasten Polcinkin, einen Glücksritter, der durch Teilnahmean Peters Ermordung emporgekommen und durch seine körperlichen und geistige»Eigenschaften der gehätschelte Liebling der Kaiserin geworden war. Potemkin