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jeden Widerstand zu ersticken, so daß der polnische Reichstag 1773das Geschäft gut hieß.
3. Zweite Teilung (1793). — Jetzt wurde der Mehrheit derpolnischen Edelleute ihre Verblendung klar, und sie erkannten die Not-wendigkeit, ihre Verfassung zu ändern. Schon hatten sich einzelne anRousseau und andere berühmte politische Schriftsteller um Ratschlägefür eine neue Verfassung gewendet. Aber lange hielten russische Trup-pen jeden Resormversuch nieder. Erst als Katharina II. im Bundemit Joseph II. sich 1787 in einen neuen Türkenkrieg verwickelte,wagte der Reichstag, angeregt durch Preußen, das ein enges Bünd-nis mit Polen schloß, das libsruni vsto abzuschaffen und eine neueVerfassung zu geben, die das libsimm vsto abschaffte und den Staatin eine konstitutionelle Erbmonarchie verwandelte (1791).König Friedrich Wilhelm II. beglückwünschte die Polen dazu in einembesondern Schreiben. Aber die Hoffnung, welche diese auf die Türkeigesetzt hatten, erfüllte sich nicht. Katharinas Günstling Potemkinund sein Unterfeldherr Suworoff erstürmten die Festungen Otscha-kow am Schwarzen Meer und Ismail an der Donaumündung unterentsetzlichem Blutvergießen, vernichteten mehrere türkische Heere ingroßen Feldschlachten, und an dem stolzen Plane, für einen ihrer Enkelden griechischen Kaiserthron in Konftantinopel neu zu errichten, wurdeKatharina nur durch die Kriegsdrohung Englands und Preußens ge-hindert. So schloß sie mit der Pforte 1792 zu Jafsy Friede undbegnügte sich damit, ihr Reich bis an den Dnjestr vorzuschieben undein schon im frühern Türkenkrieg erworbenes Schutzrecht über dieMoldau und Walachei, die sog. Donaufürstentümer, zu behaupten,das für Rußland ein Mittel zu beständiger Einmischung in die innernAngelegenheiten der Türkei wurde. — Dafür setzte jetzt die Zarin ihreTruppen gegen die Polen in Bewegung, gerufen von einer verblen-deten Partei, welche die „polnische Freiheit" im lidsrum vsto er-blickte und mit russischer Hilfe die alte Verfassung herzustellen gedachte.Die Polen vertrauten gegen Rußland auf Preußens Hilfe; alleinwer beschreibt ihre schmerzliche Überraschung, als König Friedrich Wil-helm II. höhnisch erwiderte, er habe mit der „Republik", nicht abermit der „Monarchie" Polen Bündnis geschloffen. Eifersucht darüber,