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Die Zeit des Absolutismus.
England meiden mußten. — Den letzten Stuart vertrieb Wilhelm III.vom Hause Oranien, der Erbstatthalter in Holland. Die Engländerluden ihn ein, mit einem Heer herüber zu kommen. Er brachte deutscheund schweizerische Söldner mit sich. Diese rückten 1688 unter denKlängen des Bernermarsches in London ein. Seit 1714 regierten inEngland Könige vom Hause Hannover. Doch nicht die Könige,sondern das Parlament, die Volksvertretung, bestimmte fortan dasSchicksal des Landes. Hier hat der Absolutismus keine Wurzel schlagenkönnen.
II. Ludwig XIV.
i Dcr Äksarutismus ^ Einen günstigen Boden fand der Absolutismus inin Arankreich. - Frankreich. Wohl hatten auch die Franzosen eineKardinal Richelieu. : Art Volksvertretung. Man nannte sie Ltuts
Generalstaaten oder Reichs stände.
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Darin waren der Adel, die Geistlichkeit und, als dritter Stand,die Bürger und Bauern in gleicher Zahl vertreten. Doch die Königeversammelten diese Stände nur, wenn es ihnen beliebte, und zuletzt garnicht mehr. Besser gefiel es ihnen, unumschränkt zu regieren. DieStädte halfen ihnen im 15. Jahrhundert, dem Hochadel die Macht zunehmen. Ludwig XI. bediente sich der Schweizer, um den mächtigstenVasallen, Karl den Kühnen, zu zerschmettern. Franz I. und auch Hein-rich IV. strebten dem Absolutismus zu. Der Baumeister aber, der den Bauder unumschränkten Königsgewalt vollendete, war der Kardinal Ri-chelieu. Das war ein außerordentlich begabter Staatsmann. Er führtefür Ludwig XIII., den schwächlichen Sohn Heinrichs IV., während 18Jahren das Regiment in Frankreich (1624—1642). Er machte wirklichden König zum Alleingebieter im Land. Zugleich erhob er Frankreichzur ersten Macht in Europa. Die Hugenotten sollten in ihren Sicher-heitsPlätzen der Krone nicht mehr trotzen dürfen. Er zog gegen sie zuFeld. Nach tapferster Verteidigung ergab sich ihm die letzte Hugenvtten-festung am Meer, die Stadt Rvchelle. Mit wuchtiger Hand schlugRichelieu die Aufstände des Adels nieder und schickte sogar Verwandtedes Königs aufs Schafott. Er setzte im ganzen Reich Beamte ein, dienur dem Wink des Königs gehorchten. Kleines und Großes, alles gingnach königlichem Befehl. So wurde die ganze Verwaltung straffvereinheitlicht (zentralisiert). Richelieu griff auch in den dreißigjährigenKrieg ein und hielt es mit den Protestanten. Das tat er, um die Machtdes Hauses Habsburg zu beugen. Er entriß diesem das Elsaß undzugleich die Vormachtstellung in Europa. Ludwig XIII. liebte seinenStaatsmann mit dem eisernen Willen nicht. Doch gehorchte er ihm inallen Stücken, sogar über den Tod hinaus. Er wählte auf den RatRichelieus dessen Freund, den Italiener Mazarin, zum Nachfolger