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Die Zeit des Absolutismus.
die eigentlichen Regierungsgeschäfte, statteten ihrem Gebieter regel-mäßig Bericht ab und holten seine Meinung ein. Colbert, derSohn eines Tuchhändlers aus Reims, war Ludwigs erster Minister.Er hütete und mehrte die Finanzen, d. h. Geldmittel Frankreichs.Er schaute darauf, daß die Einnahmen und Ausgaben sich die Wagehielten (Budget). Dann sorgte er vortrefflich für die französischeIndustrie. Alle gewerblichen Erzeugnisse sollten im eigenen Landeverfertigt iverden. Die Einfuhr fremder Waren wurde durch hoheZolle fast unmöglich gemacht. Die Verkehrswege im Innern desLandes wurden vermehrt und verbessert. Colbert ließ unter anderm denriesigen Kanal von Languedvc, der auf 55 Bogengängen Tälerund Höhen überschritt, erbauen. Auch sorgte er für den Bau einergewaltigen Kriegsflotte, damit die französischen Handelsschiffenicht schutzlos seien. Bald erstreckte sich die französische Kolonial-macht auf Besitzungen in Indien, Afrika und Amerika. Vergeblichmahnte Colbert seinen Herrn, er möchte in seiner Prachtliebe undBauwut Maß halten. Colbert wußte, wie kümmerlich das niedereVolk lebte, wie der steuergeplagte Bauer oft nichts mehr hatte, umseinen Hunger zu stillen. Zwei andere Minister, Louvois undVauban, arbeiteten au der Hebung des Kriegswesens. Louvoisvermehrte die steh ende Armee auf Hnnderttausende. Er führte aucheine gleichmäßige Ausrüstung und Bekleidung der Soldaten ein (Uni-form). In kurzem waren die Franzosen im Kriegswesen allen andernVölkern Europas voran. Vauban umgab das Land mit einem Kranzvon Festungen.
14. Kriege Ludwigs.!
Der Glanz einer friedlichen Regierung genügte dem„Sonnenkönig" nicht. Er strebte nach kriegeri-schen Lorbeeren. Im eigenen Land führte er'einen Vernichtungs-kampf wider die Hugenotten. Erst drängte er sie zur Bekehrungund schloß sie von den Beamtnngen aus. Als sie standhielten, singer an, sie zu verfolgen. Er legte Dragoner in ihre Dörfer, von denensie unmenschlich gequält wurden (Dragonaden). Zugleich verbot er
ihnen auszuwandern. Hunderttausende flüchteten trotzdem in die pro-testantischen Nachbargebiete (Schweiz, Deutschland, Holland und Eng-land). An der Schweizergrenze fanden blutige Gefechte statt zwischenden Hugenotten und ihren Verfolgern. In Scharen kamen sie nachGenf, Bern und Basel. Die meisten wanderten wieder weiter, mancheblieben und beglückten unser Land mit ihrem Gewerbefleiß. Lud-