234
Die Zeit des Absolutismus.
auf geistigem Gebiet, in Mode, Sitte und Sprache blieben die Fran-zosen noch ein Jahrhundert lang die Lehrmeister Europas.
Vergl. Lcseb. 3. Bd. S. 315 „Prinz ^»fleniuS, der edle Riltcr".
III. Aar Weter und Karl XII.
............... ....... . .. Luthers Zeit von Deutschland nach Osten
l ^ - reiste, der kam zunächst nicht nach Rußland,
sondern ins Königreich Polen. Dieses erstrecktesich von der Ostsee bis weit in den Süden und war eine Zeitlang sehr
mächtig. Mit der polnischen Grenze horte damals Europa auf ; jenseitslag Asien. Dort wohnte ein volkreicher Slaven stamm, die Russen.Die Slaven waren meist friedliche Ackerbauer und Hirten. Die Dörfer,wo sie wohnten, umzogen sie öfters mit einem Wall (Gvrvd). Darausentstanden Städte. Nowgorod am Jlmensee war der Hauptvrt desältesten Russenreichs, das ein normannischer Seekönig Rurik gründete(860). Bald wurde Kiew am Dnjepr Hauptstadt. Ums Jahr 1000regierte hier ein Fürst, der eine Tochter des vströmischen Kaisers zurFrau nahm. Den griechisch-katholischen Glauben teilte sie ihremManne mit, der die Götzenbilder Kiews in den Fluß werfen ließ undallem Volk befahl, sich zu bekehren. So wurden die Russen griechisch-katho-lisch. Jahrhundertelang waren die Fürsten Rußlands dem mächtigenMongolen reich Untertan. Etwa zur Zeit des Laupenstreits verlegteIwan I. seinen Sitz von Kiew nach Moskau und baute sich alsKvnigsburg den Kreml. Iwan III. (zur Zeit der Burgunderkriege)schüttelte das Joch der Mongolen ab und nannte sich Zar und Selbst-herrscher aller Russen. Sein Sohn, Iwan IV., umgab sich mit einerSchützengardc, den Strelitzen. Mit seinen wohlberittenen Kosakenbegann er die Eroberung Sibiriens. Eben damals fanden die Eng-länder den Seeweg zum Weißen Meer. Iwan wollte auch ein StückOstseeküste erobern; allein die Polen schlugen ihn zurück. Diese Erobe-rung sollte erst dreihundert Jahre später dem Zaren P e t e r gelingen.
^ Peter I. kam schon als zehnjähriger- Knabe auf den Thron. Seine Schwesteri Sophie suchte ihm die Herrschaft zu
2. Meters I. Äugendund Hielte nach dem WestenAesort.
entreißen. Doch ihr tatkräftiger Brnder
wurde Meister über sie und schickte sie in ein Kloster, sobald er er-wachsen war. Peter ivollte nicht mehr, wie die andern Russen, inSitte und Brauch ein Asiate sein, sondern einem Europäer gleichen.Deshalb schloß sich der hochbegabte junge Fürst den in Moskau wohnen-den Europäern, besonders Lefort aus Genf, an. Dieser begeisterte ihnso sehr für die Zustände des Westens, daß Peter 1697 dorthin eine lange