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Bilder aus der Welt- und Schweizergeschichte : zur Lust und Lehr der Jugend / Jakob Grunder, Hans Brugger
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II. Ursachen und Vorboten einer Staatsumwälzung in Frankreich.

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und Saatfelder armer Bauern. Ebenso üppig und liederlich trieben esdie meisten Bischöfe und Äbte. Sie ließen mit Härte den Zehnteneintreiben, der oft */g des Reinertrags der bäuerlichen Ernte ausmachte.Der Dvrfgeistliche erhielt nichts davon; er litt Not wie das Volk selberund machte den Armen im Sommer oft die Ährenlese streitig.

Schlimm war die Lage beim dritten Stand, am»' : größten die Not auf dem Lande unter den 21 Mil

heil des dritten Standes.

livnen Bauern. Schon beim TvdeLudwigsXIV.war der Bauernstand ganz herabgekvmmen, und unter Ludwig XV.wurde es nicht besser. Die unglaublichsten Lasten ruhten auf den Schulterndes Landmannes. Er mußte für den König Straßen und Kasernen bauen,die verschiedensten Führungen für das Militär besorgen, ohne einenRappen dafür zu bekommen. Dergleichen Frondienste forderte aberauch der Gutsherr von ihm. Damit nicht genug, wurde er null nochmit unzähligen Abgaben an den Staat, an den Adel und an die Kirchebelastet. Wehe ihm, wenn er sie nicht entrichten konnte; dann wurdeer schonungslos ausgepfändet oder gar von Haus und Hof gejagt. DasSalz mußte er vvm Staat kaufen und oft Fr. 2 für das Kilo bezahlen(indirekte Steuer). Von seinem Einkommen verblieb ihm nicht einmal derfünfte Teil. Er konnte sich und die Seinen nur notdürftig ernähren; er-bärmlich war seine Wohnung, die meist nur ein Fenster hatte, undebenso seine Kleidung. Tausende hatten kein einziges Hemd, zwei warenschon eine Seltenheit. In vielen Gegenden ging alles barfuß. In denDörfern gab es weder Bücher, noch Zeitungen. Lesen und Schreiben warenunbekannt. Überall wimmelte es von Bettlern. Das Gewerbe warnicht viel besser daran. In den Städten herrschte überall der Zunft-zwang. Wer von den Handwerkern nicht als Sohn eines Meistersgeboren wurde, der hatte die größte Mühe, jemals ein solcher zu werden.Wer nicht Franzose und Katholik war, wurde nicht für würdig gehalten,eine Elle Band zu verkaufen oder Leder zu klopfen. Überall Hemmnisse:Es war dem Handwerker verboten, seinen Wohnsitz zu ändern. EinSchlosser, der Schlösser fabrizierte, hatte nicht das Recht, die dazu ge-hörigen Nägel zu verfertigen. Der Hntmacher durfte keine Mützen ver-kaufen. Die Schuster stritten mit den Hvlzschuhmachern, die Metzger mitden Wnrsthändlern usw. Auch Handel und Gewerbe hatten die viel-fältigsten Abgaben an den Staat zu entrichten. Diese verteuerte denPreis der Waren. Eine Ausnahme unter den Städten Frankreichsbildete Paris, das damals etwas über 600,000 Einwohner zählte.Hier war der Zunftzwang bereits gesprengt, und das Fabrikwesen er-blühte. In Paris lebten 70 bis 80,000 Arbeiter, eine stets beweg-liche Masse, welche die großen Tage der Revolution herausführte. Hiergab es einen gebildeten Bürgerstand. Paris war tonangebend in all ngroßen Fragen. War Paris für eine Sache fest entschlossen, so war ihrSieg in ganz Frankreich gewiß, denn es hieß schon damals:Laris.o'est la kranoe!"