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seiner Bewohner'?und durch seine großartigen, zum Teil noch er-haltenen Baudenkmäler aus ältester Zeit besonders merkwürdig.
2. Dieses Land, in welchem es höchst selten regnet, verdanktseine außerordentliche Fruchtbarkeit nur den regelmäßigen Über-schwemmungen des Nils. Dieser Strom entspringt auf Hochgebirgentief im inneren Afrika. Er überschreitet, wenn dort die Regenzeiteintritt und der Schnee schmilzt, allmählich seine Ufer und ver-wandelt das Land während unserer Sommermonate (Juli bis Ok-tober) gleichsam in einen See, aus dem Städte und Dörfer wieInseln hervorragen. Ohne diese alljährlichen Überschwemmungen, dieeinen befruchtenden Schlamm zurücklassen, wäre Ägypten wohl einedürre Wüste, wie seine Umgebung und hätte nie der Sitz einer sohohen Kultur werden können.
3. Ägypten besteht aus einem 20—30 üin breiten, von zweiBergreihen umschlossenen Thale, dem Nilthal, und aus einemebenen Marschlande. Dies hat sich durch Anschlämmungen desFlusses an seinen Mündungen allmählich gebildet und heißt nachseiner dreieckigen (dem griechischen Buchstaben ähnlichen) Gestalt jetztnoch Delta. Nach dem Laufe des Flusses wurde das Land inOber-, Mittel- und Unterägypten eingeteilt.
4. Die Ägypter bildeten einen Zweig des kaukasischenMenschenstammes. Sie hatten einen ernsten, sanften und mildenCharakter. Sie lebten sehr mäßig und lange Zeit von allem Frem-den, das sie verabscheuten, abgeschlossen. Sie waren in Kasten ge-teilt, in die der Priester, der Krieger, der Handwerker,der Ackerbauer, der Hirten, von denen die beiden ersten dieherrschenden, die letzten die am wenigsten geachteten waren. Dochwar die Abgeschlossenheit nicht so strenge wie bei den Indern; dennein Emporsteigen aus der niederen in die höhere Kaste war möglich.
5. Die Ägypter verehrten wie die Perser einen guten Gott,den Lebensspender Oslris (die Sonne), den Herrn der Welt, undein böses Wesen, Typhon, von dem das Schädliche und Zerstörendein der Natur komme. Des Osi ris Gemahlin ist die segenbringendeIsis, die Göttin der ernährenden Erde (auch des Mondes). Äußerdiesen hatten sie noch mehrere andere Götter. Eigentümlich war denÄgyptern die göttliche Verehrung mancher Tiere (wie der Hunde,Katzen, Ichneumons, Ibisse, Krokodile). Niemand durfte diese fürheilig gehaltenen Tiere töten; wer dies vorsätzlich that, war selbstdem Tode verfallen. Insbesondere verehrten sie den Apis, einenschwarzen^ mit besonderen Kennzeichen (einem weißen Flecke auf derStirn) versehenen Stier als Sinnbild des Osiris. Er hatte einenprächtigen Tempel zu Memphis, der ältesten Hauptstadt des mitt-leren Ägyptens.