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Ludwig XIV.
1. Durch den dreißigjährigen Krieg waren die Kraft unddas Ansehen Deutschlands nach außen gebrochen. Dagegen übtenFrankreich und Schweden lange Zeit den größten Einfluß aufdie Angelegenheiten Europas aus.
2. In Frankreich war durch den thatkräftigen KardinalRichelieu (1624—1642) die unumschränkte Königsgewaltvorbereitet und der Grund gelegt worden, auf dem Frankreich sichzur ersten Macht Europas erheben konnte.
Dem schwachen Ludwig XIII. folgte Ludwig XIV. (1643bis 1715), anfangs während seiner Minderjährigkeit unter Vormund-schaft des Ministers Mazarin, später (seit 1661) selbständig.
Er war ein prachtliebender und ehrgeiziger Herrscher, der wäh-rend einer 72jährigen Regierung dem Land viel Glanz und Machtverschaffte, aber auch durch die Art und Weise, wie er herrschte,den Grund zum inneren Verderben Frankreichs legte. Er selbstbesaß keine großen persönlichen Eigenschaften, verstand es aber,tüchtige Männer zu wählen, durch die er große Dinge in seinemNamen ausführen ließ.
3. Unter diesen erwarb sich der weise Colbert um die innereVerwaltung Frankreichs bleibende Verdienste. Denn dieser beförderteden Ackerbau, den Gewerbefleiß, den Handel durch Anlegungvon Kanälen und Gründung von Kolonieen. Der König selbstliebte Künste und Wissenschaften und suchte sich mit ihrem Glänzezu umgeben. Frankreich hatte unter seiner Regierung eine Reiheausgezeichneter Schriftsteller und Künstler, die er meist reichlichunterstützte. Dadurch wurde die französische Sprache frühausgebildet und auch auswärts so beliebt, daß sie bald dieSprache der Höse und die allgemeine Umgangssprache in Europawurde.
4. Ludwig vollendete die unbeschränkte Königsherrschaft.Nach außen wollte er Frankreich zur ersten Macht in Europaerheben. Er war daher fast immer in Eroberungskriege mit denNachbarstaaten verwickelt, besonders mit Deutschland, auf dessenKosten er sein Land zu vergrößern suchte. Diese Kriege führteer meist glücklich durch eine Reihe tüchtiger Feldherrn, wie Turenne,Conde, Luxemburg, Vendome. Der rücksichtslose Louvoisschuf ihm als Kriegsminister wohlausgerüstete Heere für seine Pläne,und Bauban verwandelte jeden wichtigen eroberten Platz in eine un-einnehmbare Festung.
5. Ludwig XIV. achtete die Grundsätze des Rechtes und derMenschlichkeit wenig und bestimmte vielfach seine Handlungsweise nur