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wurden, in seinen Folgen der wichtigste geworden. Mit KönigKarl II. starb nämlich der Mannesstamm der Habsburger inSpanien im Jahr 1700 aus. Der nächste Erbe wäre nun KaiserLeopold I. als das Haupt der deutschen oder österreichisch-habs-burgischen Linie gewesen, und wirklich forderte er den spanischenThron für seinen zweiten Sohn Karl; aber auch der König vonFrankreich erhob Ansprüche.
2. Ludwig XIV. hatte zwar die älteste Schwester Karls II.zur Gemahlin; allein diese hatte bei ihrer Vermählung feierlich aufdie Erbfolge in Spanien verzichtet. Dessenungeachtet mußte es Lud-wig dahin zu bringen, daß sein Enkel Philipp von Anjou vonKarl II. in einem Testamente zu seinem Nachfolger in dem un-geteilten spanischen Reiche erklärt wurde. Darüber entstand ein heftigerKrieg, in dem sich besonders die Seemächte England und Hollandmit dem Kaiser verbanden, um eine drohende Übermacht Frankreichszu verhindern.
3. Durch Versprechungen war es Ludwig gelungen, einigedeutsche Fürsten auf seine Seite zu ziehen. Der wichtigste darunterwar der Kurfürst Maximilian Emanuel von Baiern, demder französische König die erbliche Statthalterschaft in den spanischenNiederlanden versprochen hatte.
4. Der Krieg wurde in Italien, Deutschland, Belgienund Spanien geführt, meist unglücklich für die Franzosen. Denndiese hatten nur noch wenige tüchtige Generale, wie Villars undVendom e. Auf der Seite der Verbündeten dagegen standen jetzt treff-liche Heerführer, wie Prinz Eugen von Savoien, der Sohn einesfranzösischen Generals, der aber in die Dienste des Kaisers getretenwar, der Markgraf Ludwig von Baden und der Engländer Marl-borough. Die Franzosen wurden wiederholt in sehr blutigen Schlach-ten geschlagen, so von Engen und Marlborough bei Höchstädt*(1704), von Eugen und dem alten Dessauer mit seinen tapferenBrandenburgern bei Turin <1706), von Eugen und Marlbo-rough bei Oudenarde (1708) und bei Malplaquet (1709).
5. Doch erlangte Ludwig, als England vorn — ^Kampfe zurücktrat und Marlbvrough abberief, und als
Karl 1711 in den österreichischen Ländern und als Utrecht."
deutscher Kaiser seinem Bruder gefolgt war, den günstigen -
Frieden zn Utrecht (1713). Sein Enkel, dem das spanische Volkanhing, behielt als König Philipp V. das Hauptland Spanien mitden Kolonieen. Der Friede zwischen dem Kaiser und Frankreichwurde erst im folgenden Jahre <1714) zu Rastatt in Baden ab-geschlossen. Österreich bekam durch diese Friedensschlüsse Belgien,
* Höchst ädt an der Donau in Baiern, Oudenarde in Belgien,Malplaquet, Dorf im nördlichen Frankreich.
Beck-Viereck, Leitf. d. Geschichte. 29. Aufl.
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