Buch 
Dr. Joseph Becks Leitfaden beim ersten Unterricht in der Geschichte : in vorzugsweise biographischer Behandlung und mit besonderer Berücksichtigung der deutschen Geschichte
Entstehung
Seite
138
JPEG-Download
 

138

bestimmten Gelder. Ebenso sparsam war er in allen Zweigen desStaatshaushaltes, sodaß er hilfsbedürftigen Gemeinden 7080 Mil-lionen Mark zuwenden und einen Staatsschatz von 160 Millionen hinter-lassen konnte. Dem erschöpften und verödeten Lande erließ er die Steuern;er sorgte eifrigst für den Landbau, für den Handel und die Industrie.Er legte sumpfige Gegenden (Netze- und Oderbruch) trocken*, bauteKanäle (Planenscher, Bromberger Kanal), gründete Fabriken undschützte durch hohe Zölle auf fremde Waren das heimische Gewerbe.

3. Er ordnete die Rechtspflege und achtete selbst in allem aufsgewissenhafteste Gesetz und Recht. Ein schöner Beweis hiervon istfolgendes. Einst wünschte er die Parkanlagen seines Lieblingsaufent-haltes Sanssouci bei Potsdam zu erweitern, wobei eine alte Wind-mühle im Wege stand. Der Müller aber wollte diese Mühle nichtverkaufen, obgleich ihm der König eine außerordentliche Summe bot.Gereizt fprach dieser endlich zu dem Manne:Bedenke, daß ich dieMühle nehmen könnte!" Der Müller aber antwortete:Wohlkönnten dies Ew. Majestät, wenn das Kammergericht in Berlinnicht wäre." Die Antwort gefiel dem Könige, und er stand vonseinem Begehren ab.

4. Nur in einem zeigte sich Friedrich nicht recht deutsch ge-sinnt. Infolge seiner Erziehung und wegen der Geschmacklosigkeit,mit der damals noch die meisten Schriftsteller in Deutschland schrieben,neigte er mit besonderer Vorliebe zur französischen Litteraturund Bildung hin. Er selbst sprach und schrieb meist französischund verkehrte mit Vorliebe mit Franzosen, deren Witz und Feinheitihn anzogen.

5. Unter diesen war Voltaire damals der gefeiertste Schrift-steller. Friedrich ließ ihn an seinen Hof kommen, mußte aberbald durch das schmutzige und geizige Wesen dieses Mannes dieErfahrung machen, daß bloße Verstandeskräfte, wie groß sie auchseien, ohne edles Gemüt dem Menschen keinen wahren Wert ver-leihen. Er selbst schrieb deshalb, von Voltaire betrogen, voll Weh-mut an einen Freund:Guter Gott! wie kann doch so viel Geistmit solcher Verdorbenheit des Gemüts verbunden sein!"

6. Friedrich war rastlos thätig bis an sein Ende. Der Lebens-abend des Königs war einsam und still. Seine Freunde sanken vorihm ins Grab, zuletzt der alte Zieten. Er selbst wurde ernster undstrenger, ja unerbittlich hart. Er starb am 17. August 1786 aufseinem Lieblingssitze, dem Schlosse Sanssouci bei Potsdam. Bisauf unsere Zeit leuchtet das Bild desalten Fritz" unter allenHelden und Lieblingen des deutschen Volkes. Ihm folgte sein NeffeFriedrich Wilhelm II. (17861797).

* Etwa 4000 qkm Land hat er urbar gemacht, 500 Dörfer neu an-gelegt und fast 400000 Deutsche angesiedelt.