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Quellenbuch zur Schweizergeschichte : kleine Ausgabe / bearb. von Wilhelm Oechsli
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stand an der Spitze des Zentrums, und ganz in der Nähe, zwischen denReitergeschwadern, hatte sich die Phalanx der Deutschen hinter einenmassigen Graben zurückgezogen, weil ein Pallisadenwall von neuer, be-wunderungswürdiger Konstruktion, den Sedan zur Bergung in denWechselfällen des Kampfes hatte herrichten lassen, wegen der unver-muteten Ankunft der Feinde weder hatte eingeschlagen noch aufgerichtetwerden können. Gegen diese wandten sich nun die Schweizer, indem ihrHaufe nach rechts abbog, mit entflammtem Mute. weil sie einsahen, dassder Sieg ihnen alsdann leicht sein werde, wann sie den Kern des feind-lichen Heeres mit dem Keil durchbrochen hätten. Als dies die franzö-sischen Feldherrn aus nächster Nähe gewahrten, liessen sie sogleich dieGeschütze gegen die dichten Reihen richten, weite Lücken in dieselbenreissen und bald die schwere Reiterei mit heftigem Ungestüm dem er-mattenden Heerhaufen in die Seite fallen. In diesem Getümmel fallenkämpfend der Hauptmann der Ferner von einer Kugel vorn ins Ge-sicht getroffen und der Ainmann von Zug. Nichts, weder der Tod ihrerAnführer, noch ihre eigene Gefahr, noch das entsetzliche Niederschmetternihrer Genossen, entmutigt jedoch diese Krieger; sie scharen sich ver-möge ihrer Disziplin enger zusammen und ordnen sich zu einem Igel[in globum], treiben die Reiter mit gewaltiger Kraft in die Flucht, undsogleich, wie sie vorher beschlossen hatten, überschreiten sie den Grabenund greifen die Deidschen an. Hier entstand alsbald ein blutiger, furcht-barer Kampf; auf beiden Seiten wurden indes keine Stimmen, sondernnur das schaurige Getöse der Waffen und das leise Gestühne der Ster-benden laut. Die Deutschen kämpften aufs heftigste, um die im vorigenJahr am Tessin niedergehauenen Kameraden zu rächen und den vor14 Jahren beim Schwarz wähl im Baslergebiet 5 verlorenen Kriegsruhmdurch neue Ehren wieder zu gewinnen. Die Schweizer aber fochtenmit gleicher Tapferkeit und Kraft, um ihre alten persönlichen Feinde,die, aus Deutschland flüchtig, zur Schande des Kaisers sich in franzö-sischem Solde schlugen, endlich einmal zu vernichten.

Unterdessen, während die Deutschen Mann an Mann kämpften,meldete man dem La Tremoille und Triculzio, das Gepäck sei genommenund die Wächter des Lagers niedergehauen und alles im Rücken vollVerwirrung und Blut. Dies Gerücht brachte die Gemüter der Franzosenderart in Verwirrung, dass ein grosser Teil der Reiter, während einjeder, voll Sorge um sein Gepäck und seine Habseligkeiten, sich um-schaute, ohne Befehl fortflogen, um die Beute den Schiveizern wiederzu entreissen. Fast im gleichen Augenblick zeigte sich auf der andernSeite der dritte Schlachthaufe der Schweizer in der Front. Dieser hattesich, während die Geschütze von den Franzosen auf die entgegengesetzteSeite vergeblich abgefeuert wurden, weil er listiger Weise zwischen denBäumen zur Täuschung des Feindes untaugliche Knechte, die den Scheinvon Bewaffneten erwecken sollten, zurückgelassen hatte, allmählich seit-wärts herangeschlichen, die Körper zur Erde geneigt und die grossemSpiesse bei den Spitzen fassend, um die vorbeifliegenden Kugeln zu ver-meiden. So sehr verachteten sie die einschlagenden Geschosse und sogewaltig war das Ungestüm ihres Angriffs, dass das französische und

4 Renedikt Weingarten. 5 Gemeint ist die Schlacht von Dorneck.