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daß auch Österreich in Tessin oder Graubünden Position nehme,werde man durch Geldmangel abgehalten. Letzterer sei wiederum aufs Äußerstegestiegen, weil die den Gemeinden der ganzen Monarchie zwangsweise auf-erlegten Antheile an der Nationalanleihe von den Gemeinden und Privatenwegen Mangels an baarem Gelde nicht realisirt werden könnten. Man seideshalb genöthigt, an eine neue Anleihe im regelmäßigen Wege zu denken undBruck sder österreichische Finanzministers habe auf das Entschiedenste dagegenprotestirt, „daß auch nur Ein österreichisches Bataillon gerührt werde, weilsonst die Nationalanleihe auf 60 heruntergehen werde, die Gemeinden alsonoch weniger im Stande wären, ihre Zeichnungen derselben zu versilbern,und eine neue Anleihe dann auch nicht höher angebracht werden könnte".
Paris, 24. April 1857. sPoschinger Seite 91.] — — Ich erlaubemir, vorbehaltlich fernerer Berichterstattung, über meinen Aufenthalt in Pariseinstweilen auf dasjenige zurückzukommen, was mir in Betreff der Neuen-burger Angelegenheit von den Mitgliedern der dortigen Conferenz i gesagtworden ist, namentlich in den letzten Tagen vom Grafen W a l e w s k i sdemfranzösischen Minister der auswärtigen Angelegenheitenj und dem GeneralKisselesf sdem russischen Botschafter in Parisj. Letzterer gab mir ver-traulich einige Details über die Diskussionen, welche ohne TheilnahmePreußens und der Schweiz zwischen den Vertretern der übrigen vier Groß-mächte stattgefunden hatten. Er sagte, daß er selbst, seinen Instruktionenund seinen persönlichen Sympathien entsprechend, die diesseitigen Auffassungenjederzeit als der letzte vertreten habe, die Opposition dagegen sei stets vonEngland ausgegangen, obschon er sich selbst von Lord Cowleys sdesenglischen Bevollmächtigten^ wiederholten Bemühungen, seine Instruktionen imSinne unserer Bedingungen modificirt zu sehen, habe überzeugen können.Die nächste Unterstützung habe der englische Widerspruch regelmäßig beiÖsterreich gefunden. Graf Walewski habe bei jedem Punkte den Versuchgemacht, dem Englischen Widerspruch Terrain abzugewinnen, im Ganzen undschließlich habe er sein Verhalten dem Bedürfnisse untergeordnet, die Be-ziehungen Frankreichs zu England nicht zu compromittiren. Graf Walewskiselbst sagte mir über diesen Punkt, als ich ihn das letzte Mal sah, daß esnutzlos sei, Forderungen an die Schweiz zu stellen, gegen welche die letztereeiner entschiedenen Unterstützung Englands sicher sei; denn in der Schweizsei man überzeugt, daß England es zu Zwangsmaßregeln gegen die Eid-
dcn Wunsch des KönigS, durch Elsaß und Lothringen marschieren zu dürfe», könnte ernicht willigen, da das in Frankreich zu viel Aufregung hervorrufen würde. Sonst aberbilligte er das Unternehmen vollkommen. Es könnte ihm nur lieb sein, wenn daSRest von Demokraten ausgenommen würde".
i Am 5. März 1857 begannen in PariS unter dem Vorsitz des Grafen Walewskidie Verhandlungen der Vertreter der Großmächte über die Regulierung der NeuenburgerAngelegenheit.