Geschichte.
I. Bilder aus der alten Geschichte.
1. Die Ägypter.
Ägypten verdankt sein Dasein dem befruchtenden Nil. Ohne denselben wärees entweder eine selsige Steppe wie sein Nachbarland im Osten, oder ein un-fruchtbares Sandmcer wie die libysche Wüste im Westen. Drei Monate lang — von
Anfang Juli bis Ende September —lassen die periodischen Regengüsse undSchneeschmelzen in Abessinien unddem Gebiete der großen Seen Jnner-afrikas den Fluß über seine Ufer treten.Ein Netz von Kanülen leitet das Wasser
heute wie ehemals — nach solchen
Stellen, wo bei, dem natürlichen Laufedes Flusses eine Überflutung nicht mög-
lich wäre. Wann gleicht das ganzeNiltal einem Meere, aus dem Städte
Pyramiden von Gizeh.
Mid Dörfer, Palmen-, Maulbeer- und Feigenhaine gleich grünen Inseln hervorragen.
Wieder drei Monate später ist der,,durch den Nilschlamm befruchtete Boden mit denüppigsten Getreidefeldern bedeckt. Ägypten war deshalb schon im Altertum die Korn-kammer des Morgenlandes und wohl eine der ältesten Kulturstätten der Menschheit.
Die Bewohner. Eigentümlich und wunderbar ivie das Land waren auch derCharakter und das Leben seiner Bewohner. Erlist und feierlich lebten sie von allemFremden abgeschlossen. Sie zerfielen in mehrere erbliche Stände oder Kasten. Jedergehörte für immer der Kaste an, in der er geboren war. In die Herrschaft teiltensich die Priester und die Krieger. Das Volk zerfiel in Gewerbetreibende,Kaufleute, Ackerbauer und Hirten. Die Könige, Pharaonen (d. i. Söhne derSonne) genannt, gehörten der Kriegerkaste an. Die Priester waren im Besitz derWissenschaften. Sie waren Sternkundige, Mathematiker, Ärzte, Geschichtsschreiber undBaumeister. Sie verstanden es, nach - Sonne und Mond das Jahr in natürlicheAbschnitte zu teilen, und bestimmten die Tageszeiten nach dem Schatten von Säulen.Ihre Schrift war eine Bilderschrift. Die einzelnen Schriftzeichen heißen Hiero-glyphen. Man bezeichnete z. B. ein Hans durch ein Viereck, einen Tempel durchein solches mit einem Götterbild, Wasser durch einige Wellenlinien. Auch Tätig-keiten und Zustände finden sich bildlich dargestellt, z. B. das Geben durch einen aus-gestreckten Arm mit einem Brot, das Kämpfen durch einen bewaffneten Arm, Hungerdurch eine in den Mund geführte Hand rc. Die Priester hatten großen Einfluß ausdie Könige und das Volk, und ihre Schulen in Theben, Memphis, Heliopolis (Kairo)und Sais waren im Altertum weit berühmt. Die Hirten bildeten die untersteKaste. Sie galten für unrein und durften keinen Tempel betreten.
Dir Religion der Ägypter war eine Naturreligion. Aus der Masse der religiösenDarstellungen auf den Denkmälern, den zahllosen Gestalten der Götter und der ihnenheiligen Tiere: Ichneumon, Katze, Krokodil rc., darf man den Schluß ziehen, daß dieÄgypter ein frommes Volk gewesen sind. Einem inneren Bedürfnis folgend, brachten sie
Geschichte. L.. (Einil Roth in Gießen). 3. Aufl. P 1