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K. Schenks Lehrbuch der Geschichte : für Präparandenanstalten / in Übereinstimmung mit den neuen Lehrplänen bearb. von H. G. Schmidt. 1. Teil: für die dritte Präparandenklasse / Übersichtliche Darstellung der deutschen Geschichte bis 1648
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§ l. Die Germanen.

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B. Ihr Land und ihre Lebensweise. Als Grenzen des germanischenLandes galten den Römern das Meer, der Rhein, die Donau und dieWeichsel. Von den Römern wurde es als ein schreckliches, unwirt-liches Land geschildert: dahörte die Natur auf", da war der Himmelstets regnerisch und trübe, da waren undurchdringliche Urwälder undSümpfe, da waren die Häuser von Holz, da lebten die Menschen aus-schließlich von Hafer, Vogeleiern und Fischen, und selbst der Natur-forscher Plinius spricht davon, daß die Inselbewohner Pferdefüßehaben und den nackten Leib mit übermäßig langen Ohren bedecken.Natürlich ist das unbewußte, phantastische Übertreibung. Die Römerund Griechen färbten das Bild unseres Vaterlandes stets düster im Ver-gleich zu Italien und Griechenland, zumal wenn sie auf ihren Reisenoder Zügen noch allerlei Gefahren zu bestehen hatten. Allerdings gabes im alten Germanien viel Urwald und Ursumpf, durch welche dieMenge der Niederschlüge außerordentlich vermehrt wurde, und erst durchdie großen Rodungen und Trockenlegungen vom 9.12. Jahrhundert istdas anders geworden. Auch gab es keine guten Wege durch die Wälder,Sümpfe und Einöden. Indessen lernten die Römer allmählich sehrwohl die verschiedenen Gebiete in bezug auf Boden und Klima unter-scheiden. Das mitteldeutsche Hügelland und Süddeutschland war ihnensehr begehrenswert, während sie nicht begreifen konnten, wie die Deut-schen in dem trostlosen Küstenland zwischen Ems und Elbe solche Notdes Lebens der römischen Kultur und Herrschaft allein um der Freiheitwillen vorzogen.

In den germanischen Wäldern gab es ohne Zweifel Riesen-bäume mit gewaltigen Wurzeln, die den Rasen emporhoben und sichüber der Erde im Halbbogen so hoch wölbten, daß Menschen hindurch-gehen konnten, und es wird auch auf Wahrheit beruhen, daß aus-recht stehende Stämme, samt dem Erdreich losgerissen, wie schwim-mende Inseln vom Sturm gegen römische Schiffe getrieben wurden.Ebenso ist es sicher, daß noch Wölfe, wilde Katzen, Bären, Luchse, Elcheund Auerochsen in unserem Vaterlande hausten, und daß erstaunlichgroße Wachs- und Honigwaben wilder Bienen von hier nach Rom ge-bracht wurden. Die Flüsse waren reich an Fischen. Der Boden trugGetreide und Flachs und war für den Anbau von Rettichen und Mohr-rüben sehr geeignet. Auch fand man viel wildes Obst. Das Edelobstist aber erst durch die Römer nach Deutschland gekommen.

Das Haus des Germanen war eine Art Blockhaus, errichtet,woein Bach, ein Feld, ein Hain dazu einlud". Öffnungen in der Wandließen Licht herein und Rauch hinaus. Ein kellerartiger Raum in derErde, der mit Brettern bedeckt und mit Dünger überschüttet wardaher der Dung genannt diente zur Aufbewahrung der verschie-densten Vorräte und bot auch den Hausbewohnern Schutz gegen die