Buch 
K. Schenks Lehrbuch der Geschichte : für Präparandenanstalten / in Übereinstimmung mit den neuen Lehrplänen bearb. von H. G. Schmidt. 1. Teil: für die dritte Präparandenklasse / Übersichtliche Darstellung der deutschen Geschichte bis 1648
Entstehung
Seite
75
JPEG-Download
 

§ 10. Das Haus der Staufer (bis 1254).

75

Polenherzog Schlesien an seine drei deutsch erzogenen Neffen, diePiästen, abtrat und dadurch die Germanisierung Schlesiens begünstigte.

3. Kolonisation des Ostens. Die größten Erfolge aber, dieauch gleichzeitig der kaiserlichen Macht zugute kamen, hatten Heinrichder Löwe und Albrecht der Bär. Heinrich dehnte, als der Kaiserin Italien kämpfte, seine Macht nach Nordosten weit aus. Ihm und deniMarkgrafen Albrecht dem Bären gebührt der Ruhm, die weitesten wen-dischen Gebiete dem Deutschtum und dem Christentum gewonnen zuhaben. Während Albrecht das Havelland eroberte und durch Burgensicherte, unterwarf Heinrich in einer Reihe von Feldzügen das ganzeLand der Obotriten im heutigen Mecklenburg, wo der Fürst Pribis-l a iv das Christentum annahm, setzte selbst deutsche Bischöfe ein (Vicelln,Berno), gründete Kirchen und Klöster und zog sächsische Kolonisten insLand, die deutsche Dörfer anlegten. Die Mönchsorden der Zisterzienserund Prämonstratenser unterstützen ihn bei dieser Kulturarbeit. Be-sonders hatte sich Lübeck seiner Fürsorge zu erfreuen. Er baute es neuauf, stattete es mit großen Vorrechten aus und begründete so dessenMachtstellung an der Ostsee. Auch über die Oder hinaus erstreckte sichHeinrichs Einfluß. Er vermochte sogar den Herzog Bogislaw vonPommern dazu, die deutsche Oberhoheit anzuerkennen. Vielleicht wardiese seine Kolonisationspolitik auch der Grund, weswegen er Friedrichin Italien im Stiche ließ.

4. Demütign ngHeinrichsdesLö wen. Daneben hatte Hein-rich aber auch viele kleine Fürsten seiner Nachbarschaft, besonders seitdem Tode Albrechts des Bären (1170), von sich abhängig gemacht undandere bedrängt. So kamen, als der Kaiser nach dem Frieden mit denLombarden wieder in Deutschland erschien, von allen Seiten Klagenwider Heinrich. Die Bischöfe und Grafen wußten, daß er auf kaiser-lichen Schutz nicht mehr zu rechnen habe. Friedrich mußte jetzt selbstgegen ihn einschreiten. Dreimal lud er ihn vor einen Reichstag; Hein-rich erschien nicht. Er glaubte dem Kaiser Trotz bieten zu können. Datat dieser ihn in die Acht und sprach ihm alle seine Länder ab. Heinrichverteidigte sich tapfer und hatte auch manchen Erfolg; als aber nachund nach die meisten seiner Vasallen von ihm abfielen, mußte er sichergeben. Er warf sich dem Kaiser in Erfurt zu Füßen (1181) undbat um Verzeihung. Dieser verzieh ihm seinen Trotz, sprach aber ge-rührt dabei:Du selber bist das Werkzeug deines Unglücks." Ausbesonderer Gnade ließ er ihm noch seine Erblande Braunschweigund Lüneburg. Die großen Herzogtümer aber, die er besessen hatte,wurden zerteilt. Die größten Stücke Sachsens fielen geistlichen Herrenzu. Die Herzogswürde in dem Gebiet um Wittenberg und um Lauen-burg erhielt der Askanier Bernhard, ein Sohn Albrechts des