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32. Deutsches Aufgebot.
8. Doch strenge blickt der Kaiser den sünd'gen Bruder an:„Zweimal hab' ich vergeben, nicht will ich es fortan!
Die Acht ist ausgesprochen, das Leben dir geraubt;
Nach dreier Tage Wechsel, da fällt dein schuldig Haupt!"
9. Bleich werden rings die Fürsten, der Herzog Heinrich bleich,Und Stille herrscht im Kreise gleichwie im Totenreich.
Man hätte mögen hören jetzt wohl ein fallend Laub;
Denn keiner wagt zu wehren dem Löwen seinen Raub.
10. Da hat sich ernst zum Kaiser der fromme Abt gewandt;
Das ew'ge Buch der Bücher, daS hält er in der Hand.
Er liest mit lauter Stimme der heil'gen Worte Klang,
Daß es in aller Herzen wie Gottes Stimme drang:
11. Und Petrus spricht zum Herren: „Nicht so? Genügt ich hab',Wenn ich dem sünd'gen Bruder schon siebenmal vergab?"
Doch Jesus ihm antwortet: „Nicht siebenmal vergieb;
Nein, siebenzig mal sieben, das ist dem Vater lieb!"
12. Da schmilzt des Kaisers Strenge in Thränen unbewußt;
Er hebt ihn auf, den Bruder, er drückt ihn an die Brust;
Ein lauter Ruf der Freude ist jubelnd rings erwacht —
Nie schöner ward begangen die heil'ge Weihenacht.
Wühler.
33. Deutsches
1 Der Kaiser saß mit Schwert und BuchIm Stuhl, aus Erz gediegen;
Er wog das Recht und fand den Spruch,
Und Groll und Hader schwiegen;
5 Da scholl's am Thor wie Rosseshuf;
Da hub sich lauter JammerrufIm Gang und auf den Stiegen:
„Es brach der Erzverwüster,
Der Heide brach ins Land;
10 Von seinen Pfaden düster
Zum Himmel raucht der Brand.
Durch Hüttenschutt und SaatenStürmt heulend seine Wut,
Und seine Rosse waten13 Bis an den Zaum im Blut.
Dem Greuel wie ein RabeFliegt das Gerücht voraus;
Da greift entsetzt zum StäbeDas Volk und wandert aus.
20 Sie schweifen ohne Stätte,
Dem Wilden gleich,
Aufgebot.
O Kaiser, hilf, o rette
Bom Untergang das Reich!" —
Und die Stirn des Kaisers wardfinster wie Nacht,
25 Und hinter sich stieß er den Sesselmit Macht;
Hin warf er den Mantel, den roten;
Und er schlug an den Schild laut-dröhnenden Schall's,
Und es stoben, den Zügel verhängt,aus der Pfalz*)
Nach allen vier Winden die Boten.
30 Und die Gauen hindurch, wo dieDonau schwillt,
Wo die Elbe sich wälzt durch dasWeizenfeld,
Wo den strudelnden Rhein sie befahren,
Aufflammten die Feuer von Berg undvon Turm,
Und die Glocken verklangen undläuteten Sturm,
') Burg.