43. Die Erstürmung von Jerusalem durch die Kreuzfahrer. 33
schössen sie mit Bogen und Armbrüsten ununterbrochen Pfeile ob. Auchschleuderten sie Steine mit der Hand und suchten sich auf diese Art unerschrockender Mauer zu nähern, ohne denen, die auf den Türmen standen, Ruhe oderWiderstand zu gönnen. Andere der Christen aber standen in den Belagerungs-maschinen und suchten den Belagerungsturm mit Stangen weiter zu bringen.Auch schleuderten sie mit den Wurfmaschinen große Steine gegen die Mauernund suchten diese durch die ununterbrochenen Würfe und die heftige Erschütterungwankend zu machen und einzustürzen. Wieder andere warfen mit kleinenSchleuderwerkzeugen kleinere Steine auf die Feinde. Aber ein mächtiger undtiefer Graben hinderte die Annäherung des Belagerungsturmes an die Vor-mauer. Auch hatten die Verteidiger der Stadt von den Brüstungen derMauer mit Stroh und Spreu angefüllte Säcke, desgleichen Teppiche undPolster herabgehängt, um die Steiuwürfe durch diese weichen und nachgiebigenKörper unschädlich zu machen. Außerdem hatten sie hinter der Mauer Wurf-maschinen aufgestellt und zwar weit mehr als die Unsern. Es entstand einschrecklicher Kampf, der von: frühen Morgen bis zum Abend fortdauerte. DiePfeile fielen auf beiden Seiten wie Hagel herab. Die geschleuderten Steinesielen zum Teil in der Luft zusammen. Anstrengung und Gefahr waren auf derSeite des Herzogs Gottfried, wie auf der Tankreds und auf der Seite desGrafen von Toulouse und der übrigen Fürsten völlig gleich; denn die Stadtwurde auf drei Seiten mit derselben Heftigkeit bestürmt. Die Unsern warenani meisten darauf bedacht, mit Schutt, Steinen und Erde den Graben aus-zufüllen, um den Belagernngsmaschinen den Weg zu bahnen. Das Bemühender Bürger hingegen ging dahin, die Unsern an diesem Vorhaben zu hindern.Sie warfen auf die Maschinen Feuerbrände und mit Schwefel, Öl, Pech undHarz bestrichene Geschosse herab, um sie zu verbrennen. Die Unsern abergössen Wasser in Menge darüber, um damit den Brand zu löschen.
Diesen so gefährlichen und hartnäckigen Kampf unterbrach die Nacht, eheer entschieden war. Sowie aber die Morgenröte den neuen Tag verkündigte,erhob sich das Volk von neuem mit der größten Kampflust zum Streite-Nach vielen Stunden hatte das Heer des Herzogs und der Grafen es mitGottes Hilfe so weit gebracht, daß die ermatteten Feinde keinen Widerstandmehr zu leisten wagten. Der Graben wurde nun ausgefüllt, die Vormauernwurden erbrochen. Die christlichen Streiter, die in dem Belagernngsturmwaren, warfen auf Befehl des Herzogs Feuer auf die Polster und Säcke.Nun drang ein so finsterer Rauch in die Stadt, daß die Verteidiger Mundund Augen nicht öffnen konnten und die Wache der Mauer verließen. Hieraufließ der Herzog in aller Schnelligkeit die Balken, die sie den Feinden ent-rissen hatten, auf den Belagerungsturm bringen und von dort nach der Mauerhinüberlegen. Darauf legte man lose Teile des Turmes, und so erhielt maneine sehr starke Brücke.
Jetzt drang vor allen anderen der herrliche Mann, Herzog Gottfried,mit seinem Bruder Eustachins in die Stadt und ermähnte die übrigen, ihmnachzufolgen. Es folgte ihm auch alsbald eine unermeßliche Anzahl vonRittern und Fußgängern nach. Viele konnten es nicht mehr erwarten, bis
Rüde, Quellenbuch. 3