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108. Die Schlacht bei Lowositz.
und klarer Überlegung mein fester und ernster Wille ist, zeichne ich miteigener Hand und drucke mein Siegel darauf. Friedrich.
(Faksimile-Ausgabe aus dem königl. geh. Staatsarchiv iu Berlin, 1854. Französisch.
Nach Richter, Quellenbuch.)
103. Die Schlacht bei Lowositz.
(1756.)
Der Schweizer Ulrich Bräcker, der an der Schlacht als preußischer Soldatteilnahm, erzählt in seiner Lebensgeschichte (sieh Nr. 102):
Frühmorgens am 1. Oktober mußten wir uns ordnen und (von Pirna)durch ein enges Thälchen gegen das große Thal hinunter marschieren. Beidem dicken Nebel konnten wir nicht weit sehen. Als wir aber vollends in dieEbene hinunterkamen und zur großen Armee stießen, rückten wir in dreiTressen weiter vor und erblickten von ferne durch den Nebel, wie durch einenFlor, feindliche Truppen auf einer Ebene, oberhalb des böhmischen StädtchensLowositz. Es war kaiserliche Kavallerie; denn die Infanterie bekamen wirnicht zu Gesicht, da sich dieselbe bei dem genannten Städtchen verschanzt hatte.
Üm sechs Uhr ging schon das Donnern der Artillerie sowohl aus unseremVordertreffen, als auch aus den kaiserlichen Geschützen so gewaltig an, daßdie Kanonenkugeln bis zu unserm Regiment, das im mittleren Treffen stand,durchschnurrten. Bisher hatte ich immer noch Hoffnung, vor einer Schlachtzu entwischen. Jetzt sah ich keine Ausflucht mehr, iveder vor noch hinter mir,weder zur Rechten noch zur Linken. Wir rückten inzwischen immer vorwärts.Da fiel mir vollends aller Mut in die Hosen. In die Erde Hütte ich michverkriechen mögen, und eine ähnliche Angst, ja Todesblässe las man bald aufallen Gesichtern, selbst derer, die sonst noch so viel Herzhaftigkeit heuchelten.Die geleerten Branntweinfläschchen, ivie jeder Soldat eins hat, flogen unterden Kugeln durch die Lüfte. Die meisten tranken ihren kleinen Vorrat bisauf den Grund aus; denn da hieß es: Heute brauchen wir Mut und morgenvielleicht keinen Branntwein mehr. Jetzt rückten wir vor bis unter die Kanonen,wo wir mit dem ersten Treffen abwechseln mußten. Potz Himmel! Wie saustendie Eisenbrocken über unsern Köpfen hinweg, fuhren bald vor, bald hinter unsin die Erde, daß Stein und Rasen hoch in die Luft sprang, bald mitten einund spickten uns die Leute aus den Gliedern weg, als wenn's Strohhalmewären. Dicht vor uns sahen wir nichts als feindliche Kavallerie, die aller-hand Bewegungen machte, sich bald in die Länge ausdehnte, bald in einemhalben Mond, dann in ein Drei- und Viereck sich wieder zusammenzog. Nunrückte auch unsere Kavallerie an. Wir machten Lücke und ließen sie vor, aufdie feindliche losgaloppieren. Das war ein Gehagel, das knarrte und blinkerte,als sie nun einhielten. Allein kaum währte es eine Viertelstunde, so kamunsere Reiterei, von der österreichischen geschlagen und bis nahe unterunsere Kanonen verfolgt, zurück. . . Inzwischen standen wir noch immer imfeindlichen Kanonenfeuer bis gegen 11 Uhr, ohne daß unser linker Flügel mitdem kleinen Gewehr zusammentraf, obschon es auf dem rechten sehr hitzig zu-ging. Viele meinten, wir müßten noch auf die kaiserlichen Schanzen Sturm