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22. Die Säulenordnungen der Griechen.
M. Vitruvius Pollio, Baukunst, IV. 1; I, 2. Nach A. Kode und
1’. Reber.
Die drei Säulenarten haben von der verschiedenen Formder Säulen die Benennung dorische, ionische und korin-thische erhalten.
Die dorische Gattung ist von allen zuerst und zwar schonin grauer Vorzeit erfunden worden. Denn Doros, des HellenSohn, der als König über Achaia und den ganzen Peloponnesregierte, erbaute in der alten Stadt Argos auf dem der Junogeweihten Platze einen Tempel, der zufällig von dieser Gattungwar, und in demselben Geschmacke wurden nachher alle Tem-pel in den übrigen Städten Achaias aufgeführt, ohne daß nocheine Theorie der Maßverhältnisse bekannt gewesen wäre. Alsdarauf die Athener nach der Weisung des delphischen Apollund gemeinschaftlichem Ratschluß von ganz Hellas dreizehn Ko-lonien zu gleicher Zeit nach Asien schickten, widmeten diese denunsterblichen Göttern heilige Plätze und errichteten darauf Tem-pel. Zuerst erbauten sie dem panionischen Apollo einen Tempel,wie sie ihn in Achaia gesehen hatten, und nannten ihn einendorischen Tempel, weil sie eben solche in den Städten der Do-rier zuerst hatten bauen sehen. Da es ihnen aber bei Errichtungder Säulen an den Verhältnissen derselben fehlte, gerieten siebeim Nachdenken, wie sie am besten einzurichten seien, umnicht allein die Last zu tragen, sondern auch ein gefälliges An-sehen zu gewähren, auf den Einfall, die Länge eines Manns-fußes zu messen. Da sich nun ergab, daß dieser gerade densechsten Teil der Mannsgröße ausmachte, so trugen sie diesesMaß auf die Säule über und gaben dieser sechsmal ihre untereSchaftstärke zur Höhe, das Kapitell mit inbegriffen. So beganndie dorische Säule des männlichen Körpers Verhältnis, Festig-keit und Schönheit in dem Gebäude darzustellen.
Desgleichen errichteten sie hernach der Diana einen Tem-pel. Indem sie darauf sannen, ihm ein Ansehen von neuer Artzu geben, folgten sie derselben Spur. Sie nahmen die weib-liche Schlankheit zum Vorbilde und machten anfangs die Dickeder Säulen ein Achtel ihrer Länge, damit sie desto höheraussehen möchten, legten ihnen Basen gleich Schuhen unter,brachten am Kapitell Schnecken gleich Haarlocken an, die zu