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und dasselbe sah man von weit entfernten, zu denen man sichanfangs noch nicht hatte flüchten wollen. Zuletzt wußte keiner,welche Gegend er verlassen, welche er aufsuchen sollte. DieStraßen standen voller Menschen, und draußen lagen sie aufdem Felde. Mancher hatte alles verloren, hatte nicht einmalmehr für einen Tag zu essen. Andere waren aus Liebe zu ihrenAngehörigen, die sie nicht hatten retten können, umgekommen,obwohl sie selber hätten flüchten können. Und dabei wagte nie-mand, dem Feuer Einhalt zu tun; denn wer löschen wollte, wurdebedroht und von vielen Händen zurückgehalten. Einige warfenganz offen Feuerbrände und schrieen, sie hätten Auftrag dazu.Ob sie es nur taten, um ungestrafter rauben zu können, oder ob eswirklich auf Befehl geschah?
Nero war damals in Antium und kam nicht eher in die Stadtzurück, als bis das Feuer sich den Gebäuden näherte, durch dieer eine Verbindung zwischen dem Kaiserpalast und den Mäce-nischen Gärten*) geschaffen hatte. Aber es war nicht möglich,das Feuer aufzuhalten: der Kaiserpalast, die genannten Gebäudeund alles um sie her wurde ein Raub der Flammen. Um dasobdachlose, geflüchtete Volk zu beruhigen, überließ er ihm dasMarsfeld und Agrippas Bauten**), öffnete sogar seine eigenenParkanlagen und ließ Baracken errichten, um die vielen Not-leidenden aufzunehmen. Aus Ostia und den Nachbarorten wurdenLebensmittel herbeigeschafft und der Preis des Getreides bis aufdrei Sesterzen herabgesetzt.
Mit diesen menschenfreundlichen Maßregeln erreichte erseinen Zweck doch nicht. Es war nämlich das Gerücht aufge-taucht, gerade zurzeit des Brandes sei er; in seinem Privattheateraufgetreten und habe die Zerstörung Trojas besungen, d. h. ineinem Liede das gegenwärtige Unglück mit jenem schrecklichenEreignis der Vorzeit verglichen.
*) Die berühmten Gärten des Staatsmannes Mäcenas, des Freun-des Augustus und des Horaz, lagen neben seinem Haus auf denEsquilien.
**) Im Nord westen der Stadt. Agrippa, der Freund und Schwieger-sohn des Augustus verschönerte Rom durch Thermen und Gärten, vorallem durch das Pantheon in den Thermae Agrippae. Es wurde zuEhren des Julischen Geschlechts als Rundbau mit vorgebauter drei-reihiger korinthischer Säulenhalle errichtet.